Über das Smartphone auf wichtige Funktionen des eigenen Autos zugreifen zu können, wird für Neuwagenkäufer ein immer wichtigeres Merkmal des Wunschmodells. Die Entwicklung ist längst einen Schritt weiter: Auch die Datenbrille Google Glass lässt sich in die Fahrzeugfunktionen integrieren. Der koreanische Autobauer Hyundai hat angekündigt, dass die kommende Generation des Genesis sich mit der Datenbrille verbinden können soll.

Die Limousine der oberen Mittelklasse, die 2015 auf den Markt kommt, kann man demnach zum Beispiel aus der Ferne ver- oder entriegeln. Ebenso kann man über die Google-Brille den Wagen auf einem überfüllten Parkplatz schnell orten. Außerdem sollen Push-Nachrichten den Fahrer daran erinnern, das Auto zum Service zu bringen – über die integrierte Telefonfunktion der Brille kann man gleich einen Anruf zur Terminvereinbarung tätigen.

Auch andere Autohersteller experimentieren mit der neuen Technik. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas zeigen Mercedes-Benz-Entwickler derzeit, wie sich die so genannten Wearable Devices – Google Glass oder intelligente Uhren wie die Pebble Smartwatch – in das Telematiksystem der Fahrzeuge aus Stuttgart integrieren lassen. Die Smartwatch könnte künftig während der Fahrt Informationen aus der Umgebung erhalten und dann den Fahrer, der die Uhr am Handgelenk trägt, vor Gefahren auf der Straße warnen, indem sie vibriert.

Ähnlich wie die Smartwatch hat auch die Google-Datenbrille die Funktionalitäten eines Smartphones. Sie stellt die Informationen direkt im Sichtfeld ihres Trägers dar; gesteuert wird über ein Touchpad an der Seite oder über die Stimme. Grundsätzlich könnte man sich Google Glass als Ergänzung zu den Fahrzeugarmaturen vorstellen – zum Beispiel als erweitertes Head-up-Display. Das heißt, wichtige Daten wie die momentane Geschwindigkeit oder die Tankanzeige könnten vor den Augen des Fahrers erscheinen, er müsste dann nicht den Kopf senken, um auf das Display im Cockpit zu schauen. Kaliforniens Elektroautobauer Tesla hat bereits eine App entwickelt, über die man die Autos mit Google Glass verbinden kann.

Verstößt die Datenbrille gegen Straßenverkehrsrecht?

Auch die Entwickler von Mercedes arbeiten an einer Nutzung des Google-Produkts. Dabei geht es um die so genannte Door-to-Door-Navigation mithilfe der intelligenten Brille: Nachdem der Nutzer ein Ziel eingegeben hat, navigiert ihn Google Glass zum geparkten Fahrzeug. Dann schickt die Datenbrille die Information über das gewünschte Fahrtziel an das Navigationssystem des Autos, das den Fahrer zum Ziel führt.

Doch es ist gar nicht klar, ob man die Brille beim Autofahren überhaupt tragen darf. Das britische Verkehrsministerium hat bereits angekündigt, sie während der Autofahrt zu verbieten. Begründet wird das mit dem Ablenkungspotential im Straßenverkehr. In Kalifornien bekam jüngst eine Google Glass-Nutzerin einen Strafzettel für das Tragen der Brille während der Autofahrt.

In Deutschland gibt es noch keine Regelung. Laut Straßenverkehrsordnung ist der Fahrzeugführer dafür verantwortlich, dass seine Sicht und das Gehör nicht durch Geräte beeinträchtigt werden. Dabei ist es unerheblich, ob das Gerät im Wagen angebracht ist – zum Beispiel als Navigationsgerät – oder der Fahrzeugführer das Gerät selbst trägt. Google Glass könnte gegen diesen Paragrafen verstoßen.

Allerdings müsste der Fahrer in dem beschriebenen Anwendungsfall von Mercedes die Brille während der Fahrt nicht zwingend tragen. Und auch außerhalb des Wagens kann sie ihm weiterhelfen. In dem System von Mercedes-Benz navigiert Google Glass den Fahrer nach der Parkplatzsuche zu Fuß weiter zum endgültigen Ziel, zum Beispiel einem Geschäft in einem Einkaufszentrum.