In den sieben Millionen sind die Auslandsverkäufe allerdings nicht enthalten. Das KBA zählt nur die Besitzerwechsel zwischen deutschen Staatsbürgern. Wer wissen möchte, wie viele Gebrauchtwagen tatsächlich jenseits der Grenze einen neuen Halter finden, muss tief graben. Das Statistische Bundesamt weist in seiner Ausfuhrstatistik 2012 gut eine halbe Million Gebrauchte aus, vom Kleinwagen bis zum Wohnmobil. "Mindestens doppelt so viele", schätzt ein Branchenexperte, müssten es sein. Die Zahl der über internationale Kanäle gehandelten Autos ist schwer zu ermitteln.

Der Gebrauchtwagenmarkt speist sich zwar zu einem Großteil aus Second-Hand-Fahrzeugen privater Halter, doch darüber hinaus rollen Tausende von Fahrzeugen von Mietwagenanbietern wie Sixt oder Europcar oder aus den Flotten der Leasinggesellschaften wie Deutsche Leasing, LeasePlan, Arval oder Athlon zu den Händlern. Einige dieser Gesellschaften sind in verschiedenen Ländern tätig. So können Bestände der deutschen Mutter problemlos an die ausländische Tochter fließen und von dort an einen Händler verkauft werden, ohne dass die Fahrzeuge in irgendeiner Statistik auftauchen.

Auch die Automobilhersteller vermarkten Gebrauchtwagen direkt ins Ausland, teilweise über Auktionshäuser. Außerdem gibt es Fahrzeuge der Händler, die an andere Händler ins Ausland verkauft werden. Diese wiederum werden entweder direkt oder auch über so genannte Remarketing-Plattformen wie Auktionen oder Verkaufslisten den ausländischen Händlern angeboten. Das System ist komplex.

Gebrauchte VW besser nicht in Franken kaufen

Streng genommen fehlen all diese Autos dem deutschen Markt. Schon jetzt haben viele Händler Schwierigkeiten ihre Höfe zu füllen. Der Strom an ehemaligen Leasing-Fahrzeugen etwa ist in den vergangenen Jahren abgeebbt. Auch das eine Folge der Krise. Viele Kunden haben in den wirtschaftlich unsicheren Zeiten ihre bestehenden Leasingverträge einfach verlängert, statt Kontrakte für ein neues Auto abzuschließen. Deshalb haben auch die Leasinggesellschaften weniger Neuwagen angeschafft. Die Fahrzeuge, die sie nun als Gebrauchtwagen abgeben, sind älter und fallen seltener in die Kategorie der in Deutschland so beliebten jungen Gebrauchten.

Allerdings: Die jungen Gebrauchten sind nicht unbedingt die Modelle, die aus dem Ausland nachgefragt werden. Nach Osteuropa gehen vielmehr die alten, günstigeren, mit sechs oder mehr Jahren auf dem Buckel. Vor allem für die freien Händler, die im Gegensatz zu den Markenhändler deutlich ältere Fahrzeuge im Bestand haben, ist die wachsende Nachfrage aus Ländern wie Polen, Rumänien oder Ungarn positiv. Da sich für die alten Autos mit Kilometerständen von über 100.000 nur wenige deutsche Käufer finden, ist es fraglich, ob sich die stärkere Nachfrage aus dem Ausland auf die Preise hierzulande niederschlägt.

Ob neuer oder alter Gebrauchter: Vor dem Kauf lohnt ein Blick auf die Deutschlandkarte. Wer sucht, beschränkt sich meist auf seine nahe Umgebung bis zu einem Umkreis von 100 Kilometern. Wer das Raster geografisch erweitert, hat deutlich bessere Chancen auf ein Schnäppchen. Denn das Preisgefälle innerhalb Deutschlands ist groß. Besonders günstig sind Gebrauchte in den Postleitzahlregionen 0 und 1, also dem nord- und ostdeutschen Raum zwischen Rostock und Zwickau. In Bayern und Baden-Württemberg sind die Preise deutlich höher. "Die Unterschiede erreichen einen Höchstwert von 26,5 Prozent bzw. 14.101 Euro zu 17.834 Euro für ein Modell mit vergleichbarere Ausstattung", erklärt Christian Maas, Sprecher des Onlineportals Mobile.de.

Je nach Hersteller und Bundesland ergeben sich weitere, zum Teil deutliche Preisunterschiede. So bezahlt man in Nord- und Ostdeutschland für einen Audi rund 20 Prozent weniger als in Bayern. Mercedes-Modelle sind in Brandenburg, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern günstig, im südlichen Bayern am teuersten. Hier liegt der Preisunterschied bei 15 Prozent ergab die Auswertung von mobile.de. Volkswagen werden dagegen in Franken am teuersten gehandelt. Hier liegt der Preis um fast 10 Prozent höhere als im Osten und Norden der Republik. Wer weiß, wie der Gebrauchtwagenmarkt tickt, kann also tüchtig sparen. Diesseits und jenseits der Grenzen.

Erschienen in der WirtschaftsWoche