Beim ADAC sind keine weiteren Manipulationen entdeckt worden. Das geht aus dem Bericht des Wirtschaftsprüfungsunternehmens Deloitte hervor. Nach der erwiesenen Fälschung der ADAC-Wahl zum Lieblingsauto der Deutschen waren die externen Prüfer von dem Automobilclub beauftragt worden, die übrigen neun Kategorien des Gelben Engels zu überprüfen. 

In ihrem Abschlussbericht monieren die Prüfer jedoch einen Manipulationsversuch bei einem Techniktest für Reiselimousinen und eine generell undurchsichtige Datenlage. Mitte Februar hatten die Prüfer nachgewiesen, dass die angeblich von den Lesern des Magazins ADAC Motorwelt gekürte Hitliste für den Preis Gelber Engel fast zehn Jahre lang gefälscht worden war.

Der mittlerweile geschasste ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter habe einen Kollegen aus dem Ressort Test & Technik gefragt, ob die Platzierung eines bestimmten Fahrzeugs in der Testkategorie Reiselimousine 2014 nicht vom zweiten auf den ersten Platz geändert werden könne, ergab die Untersuchung. "Dieser Versuch der Manipulation wurde von dem ADAC-Mitarbeiter mit technischer Begründung und Hinweis auf bereits veröffentlichte Testberichte zurückgewiesen", teilte der Automobilclub unter Berufung auf die Prüfer mit. Dies habe eine Auswertung von E-Mails ergeben.

Daten sind zum Teil nicht mehr vorhanden

In den vergangenen zehn Jahren seien die Bewertungskriterien für einzelne Kategorien des Gelben Engels mehrfach verändert worden. "Das mag zwar gute Gründe gehabt haben, Transparenz und Konsistenz waren dadurch aber nicht immer gegeben", sagte Deloitte-Manager Frank Marzluf. Interne Entscheidungen seien nicht immer schriftlich festgehalten wurden, Daten aus den Vorjahren nicht mehr vollständig vorhanden.

August Markl, der nach dem Rücktritt von Präsident Peter Meyer als Vizechef das Präsidium des ADAC leitet, versprach "eine grundsätzlich neue Unternehmenskultur". Der ADAC müsse sich von innen heraus erneuern, um die verlorene Glaubwürdigkeit zurückzugewinnen. 

Auch Geschäftsführer Karl Obermair muss gehen

Nach Präsident Meyer will der Automobilclub auch den umstrittenen Geschäftsführer Karl Obermair loswerden. Der Club verhandle mit Obermair über eine einvernehmliche Beendigung seiner Tätigkeit, sagte Markl. Mit Geschäftsführungsmitglied Stefan Weßling sei die Trennung bereits einvernehmlich vereinbart. Mit den Manipulationen beim Preis "Gelber Engel" hätten die beiden "in keiner Weise" zu tun, sagte Markl. Erstmals soll mit Marion Ebentheuer eine Frau in die Geschäftsführung aufrücken.