Gäbe es in Hollywood einen Oscar für den beliebtesten Nebendarsteller, dieser hätte ihn mit bis heute mehr als 350 Filmrollen verdient: der Roadster Mazda Miata, in Europa unter der Bezeichnung MX-5 bekannt. Sogar dem kultigen Peugeot 403 Cabriolet von TV-Inspektor Columbo stahl er bei mehreren Gastauftritten beinahe die Show.

Vor 25 Jahren feierte Amerika den Mazda Miata – in Europa als MX-5 angeboten – als neuen Cabrio-Traum. Im Februar 1989 feierte der Miata Weltpremiere auf der Chicago Motor Show, das Europadebüt hatte er ein gutes halbes Jahr später auf der Frankfurter IAA.  Der MX-5 sollte zum ersten aus normal gefülltem Geldbeutel bezahlbaren Roadster werden, zum Kultobjekt einer ganzen Generation.

Die Geschichte des Zweisitzer-Cabriolets beginnt aber um einige Jahre früher. Manchmal entspringen die größten Ideen einigen kleinen Strichen, etwa auf einer Papierserviette oder Kreidetafel. So auch das Konzept des MX-5, als 1979 der amerikanische Motorjournalist Bob Hall nach Japan kam. Am Rande eines Interviews erklärte Hall dem damaligen Entwicklungsleiter von Mazda, Kenichi Yamamoto mit einer Kreideskizze, was im Portfolio der Japaner seiner Meinung nach noch fehlte: einen offenen, erschwinglichen Sportwagen. Optisch als Evolution englischer Kult-Roadster nach dem Vorbild von Lotus Elan und MG B, technisch aber so zuverlässig, wie es damals nur japanische Autos waren.

Fünf Jahre und mehrere Sportwagenstudien später gab Mazda tatsächlich das offizielle Startsignal zur Entwicklung des offenen Zweisitzers. Kein Wunder, denn der bekennende Roadster-Fan Yamamoto hatte 1983 die Führung von Mazda übernommen und Bob Hall zum Produktplaner im neu eröffneten kalifornischen Mazda Entwicklungszentrum Irvine ernannt. Hier in Kalifornien wurde auch das klassische Zweisitzer-Layout mit Frontmotor und Heckantrieb im Retrodesign entworfen, das sich im hausinternen Wettbewerb gegen zwei japanische Alternativen mit Frontantrieb oder Mittelmotor durchsetzte.

Schickes Roadster ohne zu verarmen

Damit nicht genug. Das Sportwagenprojekt mit dem Geheimcode 729 LWS sollte dank konsequenten Leichtbaus klassische Roadsterfans begeistern, aber auch komfortgewohnte Romantiker unter den Cabriofahrern. Darum erhielt der MX-5 ein wetterdichtes Verdeck sowie eine wirksame Klimatisierung gegen Kälte oder große Hitze. Später bot Mazda sogar eine wenig geliebte, weil unsportliche Getriebeautomatik an.

Kurz, der MX-5 wurde ein Auto, wie es die Welt so noch nicht gesehen hatte: ein Cabrio mit verführerischen Linien und modischen Klappscheinwerfern für relativ kleines Geld. Mazda füllte die Idee des Roadsters mit neuem Leben, just als die  Karosserieform des offenen Sportwagens totgesagt war – der MX-5 wurde ein Geniestreich.

Welche Wirkung er entfaltete, konnte Mazda-Chefdesigner Shigenori Fukuda schon mit ersten Prototypen in Kalifornien erahnen. "Wir wurden von Fahrern in Camaros und Porsches verfolgt", erzählte Fukada später über seine Testfahrten. "Schließlich flüchteten wir in den Garten eines Privathauses, nur um unseren Verfolgern zu entkommen. Da kam ein grauhaariger Mann herausgestürzt. Wir versuchten unser Eindringen zu entschuldigen, aber er winkte sein Scheckbuch und wollte unbedingt das Auto kaufen."