"Fahrer bestätigt und auf dem Weg", gibt die Nachricht auf dem Smartphone-Display bekannt. Auf dem Kartenausschnitt darunter setzt sich ein kleiner Wagen in Bewegung. Es dauert keine sieben Minuten, dann fährt der schwarze Toyota Avalon vor. Am Steuer sitzt Umer. 4,6 von fünf Sternen hat er. Es ist später Nachmittag, vom Broadway im Finanzdistrikt New Yorks soll es in den Brooklyner Stadtteil Park Slope gehen. Die Rush Hour hat noch nicht begonnen, aber der Verkehr ist dicht. Umer wirft sein GPS an. "Versuchen wir es erst mal über die Brücke", sagt er.

Umer arbeitet für Uber. Das Start-up aus San Francisco ist dabei, die Taxibranche mithilfe von Algorithmen zu revolutionieren. Der Wagen wird nicht mehr per Handzeichen, sondern per Smartphone-App geordert. Das Programm zeigt an, wie lange es dauert, bis der Wagen da ist, wer der Fahrer ist und was andere Kunden über ihn sagen. Bezahlt wird per App, 20 Prozent des Fahrpreises gehen an Uber.

Die Idee kam Gründer Travis Kalanick, als er 2008 in Paris 30 Minuten auf ein freies Taxi warten musste. Im Mai 2010 startete der Dienst in San Francisco, seitdem wächst er unaufhaltsam. Mittlerweile gibt es Uber in 67 Städten und 25 Ländern weltweit, auch in Berlin. Eine Million Anfragen registriert die App pro Woche, 800.000 Fahrten kommen zustande. Firmeninterne Dokumente zeigten im Dezember, dass Uber damit inzwischen einen Umsatz von 213 Millionen Dollar erwirtschaftet. Die Zahl der Mitarbeiter soll bis Ende des Jahres von 550 auf bis zu 2.000 steigen.

Gestartet ist Uber als Limousinen-Service. Der teure Dienst war vor allem beliebt bei den Start-up-Millionären im Silicon Valley und in New Yorks Upper Class. Inzwischen gibt es mit UberX eine bezahlbare Alternative mit kleineren Wagen. Seitdem kann jeder, der ein Auto und ein Smartphone besitzt, zum Chauffeur werden. Selbst bei der Finanzierung des Autos hilft Uber bei Bedarf. In Städten wie San Francisco oder New York arbeitet die Firma zudem mit Fahrern der Yellow Cabs zusammen. Die nutzen die App, um Leerlaufzeiten zu füllen.

Start-up inzwischen Milliarden wert

Umer ist seit sieben Monaten dabei. Davor arbeitete er für einen Limousinenservice in Brooklyn. Aber die langen Arbeitszeiten, schlechte Bezahlung und viele Leerlaufzeiten machten den Job schwer. "Ich bereue den Wechsel nicht", sagt Umer, während er sich auf der Brooklyn Bridge zentimeterweise vorwärts bewegt. Zwei Schichten fährt er, morgens von 5 bis 9 und abends von 15 bis 20 Uhr, und verdient damit mehr als vorher. 15 bis 20 Fahrgäste hat Umer am Tag. Meist wartet der nächste schon, wenn er den alten abgesetzt hat.

Uber will Angebot und Nachfrage aufeinander abstimmen und das ineffiziente und hochregulierte Geschäft kundenfreundlicher machen. Das kommt vor allem in Großstädten wie New York an. Eine zentrale Vermittlung gibt es hier nicht, oft wartet man minutenlang auf das erste freie Taxi. Hält ein Fahrer an, ist nicht gesagt, dass er einen auch transportiert. Liegt das Ziel zu weit außerhalb, winkt so mancher Fahrer ab. Genau diese Schwachstellen nutzt Uber aus.

Von der Technologiebranche wird Uber dafür gefeiert. Im vergangenen Jahr investierte Googles Wagniskapital-Sparte Google Ventures 258 Millionen Dollar in das Unternehmen – mehr als 80 Prozent seines jährlichen Budgets. Die Bewertung des Start-ups liegt knapp drei Jahre nach dem Start bei 3,5 bis vier Milliarden Dollar. Keine Firma im Silicon Valley besitzt mehr Glamour. Längst gilt Uber als wichtigste Größe in der Welt der neuen Transport-Start-ups.