Erst vor wenigen Wochen hatte das Porsche-Museum in Stuttgart-Zuffenhausen voller Stolz das angeblich erste Fahrzeug von Ferdinand Porsche in seine Sammlung aufgenommen. Ende des 19. Jahrhunderts soll der Firmengründer mit dem P1, einem an eine Pferdekutsche erinnernden Elektrowagen, in Wien umhergefahren sein; an der Entwicklung und Konstruktion des Elektromotors in diesem Egger-Lohner C.2 Phaeton – so heißt der P1 offiziell – hatte Porsche als junger Techniker maßgeblichen Anteil.

Doch dann wurden Stimmen laut, das Stück sei eine Fälschung. Die Auseinandersetzung um die Echtheit entzündete sich an der in Bauteilen des Wagens eingeschlagenen Kennzeichnung "P1", die von Ferdinand Porsche selbst stammen soll. Das E-Mobil, das die längste Zeit im Depot des Technischen Museums Wien (TMW) lagerte, habe weder den Porsche-Einschlag auf der Radnabe noch besitze es die Plakette "Lohner-System Porsche", zitierten Skeptiker aus einem Gutachten des österreichischen Automobilhistorikers Karl Eder von 2009. Fertig war der Skandal, den auch dortige Medien wie der Kurier sofort genüsslich aufgriffen. Autobild Klassik vermutete gar nachträgliche Manipulation.

Doch die Geschichte von Porsche muss eventuell doch nicht umgeschrieben werden. Das legen zumindest die zwei Gutachten nahe, die das Sportwagenunternehmen nach dem Wirbel in Auftrag gegeben hatte. Denn natürlich konnte Porsche die Vorwürfe nicht auf sich sitzen lassen. Zumal auch das TMW als eine der führenden technischen Sammlungen bezüglich der Echtheit der Porsche-Angaben Zweifel angemeldet hatte.

Also ließ Porsche in den vergangenen Wochen die Elektrokutsche genau prüfen, von Kurt Möser vom Karlsruher Institut für Technologie, einem der renommiertesten Technikhistoriker des Landes, sowie der Restauratorin und Denkmalexpertin Gundula Tutt. Die beiden kommen zu dem Schluss: Das Fahrzeug des österreichischen Kutschenfabrikanten Egger-Lohner trägt sehr wohl die Handschrift des Porsche-Gründers und darf seinen Platz in der Historie des Hauses beanspruchen.

CSI Zuffenhausen

Das TMW hatte den C.2 vor einigen Jahren gegen zwei andere historische Fahrzeuge bei einem Sammler eingetauscht. Von diesem hatte Wolfgang Porsche, Aufsichtsratsvorsitzender der Porsche AG und Enkel des Firmengründers, das Gefährt fürs Firmenmuseum erworben. Stutzig machte Möser, dass die beiden Autos einen wesentlich höheren Wert besitzen als der von Gutachtern wie Eder auf rund 35.000 Euro taxierte C.2. Ein Beleg für den tatsächlichen Wert als echter erster Porsche?

Wie ein Team "CSI Zuffenhausen" fahndeten der Wissenschaftler und die Restauratorin nach Beweisen für die Echtheit des P1. Sie sichteten Archivunterlagen wie technische Zeichnungen, Notizen und Briefe und nahmen verschiedene Untersuchungen der verwendeten Materialien und der Komponenten des Fahrzeugs vor. Zudem setzten die Experten auf die modernste Technik: ein Rasterelektronenmikroskop. Wo das Laienauge nur eine Kraterlandschaft aus patiniertem Metall, Kratzern und Einschlägen sieht, konnten die Fachleute durch Messungen belegen, dass die angezweifelte Kennzeichnung sehr wohl aus der Zeit um 1898 stammen müsse.