Gegen die Mischung aus Dunst und Staub hat die wärmende Frühlingssonne keine echte Chance. Im trüben Graugelb des Smogs ist es recht kühl in Chinas Hauptstadt, dort wo mit der Auto China gerade eine der inzwischen wohl wichtigsten Automessen der Welt stattfindet. An den Luftproblemen in Peking und vielen anderen Großstädten der Volksrepublik wird auch die Premiere eines neuen Elektroautos namens Denza nichts ändern können. Der geräumige Fünfsitzer mit dem 460-Liter-Kofferraum ist der Öko-Star der Messe.

Der Denza ist das Ergebnis einer Gemeinschaftsproduktion von Daimler und dem chinesischen Konzern BYD. Mit einer Reichweite von 300 Kilometern pro Batteriefüllung verspricht er mehr Alltagstauglichkeit als andere bisher erhältliche Stromer. Je nach Leistung der Steckdose dauert das Aufladen zwischen einer und sieben Stunden. Als Höchsttempo stehen 150 km/h im Datenblatt.

Mit umgerechnet rund 42.000 Euro ist der Denza zwar teuer, doch der Staat und manche Städte wie Shanghai oder Shenzhen zahlen mit. Insgesamt kann ein künftiger Denza-Besitzer den Preis dank reichlicher Subventionen um fast 15.000 Euro drücken. Außerdem kann er die in vielen Städten geltenden Zulassungsbeschränkungen mit einem E-Mobil umfahren, muss sich also keiner Versteigerung stellen oder auf Losglück hoffen. Das erste Auto, das von Mercedes außerhalb Deutschlands entwickelt wurde, wird China indes nie verlassen.

Natürlich will VW-Chef Martin Winterkorn dieses Feld nicht seinem schwäbischen Rivalen überlassen. Schließlich ist VW mit seinen Marken traditionell die Nummer eins in China und will diesen Platz auch in der neuen Elektrozeit behaupten. Winterkorn kündigte seinerseits eine Elektrooffensive für China an. E-Up und E-Golf können schon bestellt werden, Plug-In-Hybridversionen vom VW Golf und vom Audi A6 kommen demnächst. Sie können an der Steckdose aufgeladen werden und schaffen rund 50 Kilometer im rein elektrischen Modus. Und sogar ein ähnlich konstruierter Bentley mit einem Doppelantrieb aus Benzinmotor und E-Triebwerk ist als Studie auf der Auto China zu sehen.

Tibet-Demo am Daimler-Stand

Winterkorns Loblied auf die seit 30 Jahren andauernde Zusammenarbeit mit chinesischen Firmen fiel allerdings reichlich pathetisch aus. Der Konzernchef aus Wolfsburg dürfte sich freuen, dass ihm eine Erfahrung seines Daimler-Kollegen Dieter Zetsche erspart blieb. Ein einsamer Demonstrant in mönchähnlichem Outfit hielt am Mercedes-Stand ein Transparent in die vielen Kameras, deren Objektive auf die Premiere eines künftigen Serienmodells gerichtet waren. Der Ruf nach "Freiheit für Tibet" wurde durch ein gutes Dutzend Militärpolizisten mit schwarzen Stahlhelmen schnell unterdrückt.

Nach einem kurzen Moment der Betroffenheit gehörte die Aufmerksamkeit wieder dem wuchtigen, hochbeinigen Mercedes: Die Coupé-Version des SUV ML ist die Stuttgarter Antwort auf den ähnlich gezeichneten BMW X6. Die meisten Käufer dieser Art von Autos leben in den USA, aber auch in China. Auf unseren Straßen wird der wohl als MLC bezeichnete Benz ebenso wie sein bayerisches Vorbild relativ selten bleiben.

Umgekehrt denkt Audi. Sie wollen aus einem Sportcoupé ein SUV zaubern und stellen in Peking das Konzeptfahrzeuge TT Offroad vor. Entwicklungschef Ulrich Hackenberg spricht von einem "Ausblick darauf, wie wir uns ein neues Modell in einer künftigen TT-Familie vorstellen können". Der TT Offroad soll als Plug-in-Hybrid unterwegs sein: Ein Zweiliter-Benziner mit 292 PS arbeitet mit zwei Elektromotoren zusammen. Gemeinsam liefern die drei Triebwerke 408 PS.

Gut 50 Kilometer sind abgasfrei möglich; der Spritverbrauch des bis zu 250 km/h schnellen Audi soll darum bei nur 1,9 Litern pro 100 Kilometer liegen. Das Besondere: Die 12 kWh große Lithium-Ionen-Batterie kann nicht nur per Kabel, sondern auch per Induktion aufgeladen werden. Dazu fährt der TT-Ableger auf eine Art Platte, deren magnetisches Feld zum Laden genutzt wird.