Wer in der Automobilbranche zu klein ist, hat langfristig eher schlechte Chancen. Das hat auch Fiat-Chef Sergio Marchionne erkannt. Er ergriff 2009 die günstige Gelegenheit, und so übernahm Fiat peu à peu die Aktienmehrheit des damals wirtschaftlich angeschlagenen US-Herstellers Chrysler. Anfang dieses Jahres konnten die Italiener den vollzogenen Zusammenschluss von Fiat und Chrysler vermelden: Fiat Chrysler Automobiles (FCA) heißt das Unternehmen nun.

Der neue Konzern bringt die italienischen Marken Fiat, Alfa Romeo, Lancia, Maserati und Ferrari sowie die amerikanischen Chrysler, Ram, Dodge, Jeep und den Teile- und Servicespezialisten Mopar zusammen. In 158 Werken sowie 77 Forschungs- und Entwicklungszentren sind bei FCA damit nun 225.000 Mitarbeiter beschäftigt. Ihre Aufgabe: europäische und amerikanische Traditionen in neue Modelle formen.

Anfang Mai wird Konzernchef Marchionne seine weiteren Pläne konkretisieren – die Autowelt wird gespannt sein, denn bekanntlich scheiterte bereits ein Zusammenschluss, bei dem Chrysler beteiligt war: Die vom damaligen Daimler-Chef Jürgen Schrempp als "Hochzeit im Himmel" gefeierte Fusion zu DaimlerChrysler wurde 2007 nach neun Jahren und Milliardenverlusten wieder aufgelöst. 2009 meldete Chrysler in der Wirtschaftskrise Insolvenz an; damals übernahm Fiat die ersten 20 Prozent an dem US-Unternehmen.

Alfa Romeo soll nobler werden

Man kann jetzt davon ausgehen, dass Marchionne die gemeinsame Entwicklung und Fertigung innerhalb des Konzerns verstärkt, wie das bereits bei der Zusammenarbeit von Jeep und Fiat mit den Mini-SUV Jeep Renegade und Fiat 500X, bei dem Maserati-SUV mit Jeep-Allradtechnik oder dem Jeep Cherokee auf der Plattform der Alfa Romeo Giulietta umgesetzt wurde. Zudem wird Marchionne die Neuausrichtung der einzelnen Marken forcieren. Vor allem die Fiat-Kernmarken, die bisher eine breite Palette boten, werden sich zukünftig eher spezialisieren.

Einer der wichtigsten Punkte wird die Stärkung der Marke Alfa Romeo sein, die sportlicher und wertiger werden soll. Der im Herbst 2013 erschienene Sportwagen 4C und der in Kooperation mit Mazda entwickelte Spider, der 2015 auf den Markt kommt, sollen die Marke neu mit Leben füllen und zugleich schick für den US-Markt machen. Alfa hat auch für Amerikaner hohe Strahlkraft, was die aktuellen Modelle – mit Ausnahme des 4C – aber nur bedingt wiedergeben. Die sportliche Ausrichtung geht einher mit einer Höherpositionierung: Alfa Romeo dürfte sich künftig näher an die noble Schwester Maserati heranwagen.

Auch Maserati profitiert vom neuen Konzern. Mit dem Ghibli hat man bereits seit dem vergangenen Jahr ein Angebot für die Business-Class im Portfolio und leistet sich sogar für den europäischen Markt erstmals einen Dieselmotor. Zudem kommt im nächsten Jahr das erste SUV der Edel-Marke in den Handel und schließt damit eine Lücke im Wettbewerb zu Herstellern wie Porsche oder dem britischen Konglomerat von Jaguar und Land Rover.