Die ersten Waschmaschinen aus den 1950er Jahren, alte Staubsauger und Geschirrspüler: Dass solche Küchengeräte, aber auch historische Milchzentrifugen und Buttermaschinen im Miele-Museum ausgestellt sind, verwundert sicherlich niemanden. Besucher in dem Gütersloher Firmenmuseum staunen aber nicht schlecht, wenn sie nach einigen Miele-Zweirädern plötzlich einem knallroten Oldtimer gegenüberstehen: dem Miele K1.

Am mächtigen Lamellen-Kühler des Kraftwagens prangt das eher einfallslos entworfene ovale Miele-Firmenschild, die Scheinwerfer scheinen für die Ewigkeit gebaut zu sein und die Speichenräder würden wohl auch unter dem Gewicht einer Lokomotive nicht zusammenbrechen. Das viersitzige Rechtslenker-Vehikel wirkt jedenfalls so solide wie ein Lkw. Selbst die außen angebrachte Gummiball-Hupe dürfte damals jede klingelnde Straßenbahn übertönt haben. Nur der Vierzylindermotor wirkt eher schmächtig.

Die Museumsmitarbeiter kennen schon das verblüffte Murmeln vieler Besucher, das meist auf die eine Frage hinausläuft: Haben die bei Miele wirklich auch Autos gebaut?

In der Tat erhielten die beiden Firmenchefs Carl Miele und Reinhard Zinkann am 23. März 1912 die Genehmigung zur Herstellung von Automobilen – beantragt hatten sie die Bescheinigung beim Dampfkessel-Überwachungs-Verein Paderborn. Miele und Zinkann wollten ebenso vom Motorisierungsboom profitieren, wie es NSU, Horch, Adler, Nacke, Brennabor und anderen Firmen schon um die Jahrhundertwende gelungen war.

"Vornehme Form und geschmackvolle Ausstattung"

Das Know-how zur Herstellung von Präzisionsmaschinen hatte das Unternehmen: Vor allem der Miele-Ingenieur Oskar Klemm war ein begnadeter Tüftler und Konstrukteur. Unter seiner Führung entstanden drei Fahrzeugtypen: der K1 mit 6/20 PS und maximaler Geschwindigkeit von 60 bis 70 km/h, der baugleiche K2 mit 9/28 PS und Höchsttempo von 70 bis 80 km/h sowie der K3, der von den Leistungen her dem K2 entsprach, aber einen längeren Radstand hatte. Miele verlangte für die Modelle zwischen 5.100 und 7.900 Mark, was im oberen Preissegment angesiedelt war.

Spektakuläre technische Finessen gab es dafür kaum. Im Werbeprospekt stellte man die Thermo-Syphon-Kühlung heraus sowie die "reichlich groß bemessenen Lamellenkühler" und den Ventilator, die "bei den heißesten Sommertagen und Bergfahrten vollständig" ausreichen sollten. Außerdem waren im Motor die Zuflusskanäle so eingegossen beziehungsweise gebohrt, dass "sämtliche Ölrohre in Wegfall kommen, somit ein Undichtwerden der Anschlußstellen und Rohre ausgeschlossen ist".

Die Fahrzeuge hatten drei Bremsen ("Ein Versagen derselben ist unmöglich"): eine Getriebebremse, die als Fußbremse ausgelegt ist, sowie zwei auf die Hinterräder wirkende Bremsen, die mit einem Handhebel bedient wurden. Der Benzinbehälter war "explosionssicher" und "so hochgelagert, daß das Benzin unter natürlichem Gefälle bei kommenden Steigungen zufließen kann". Im Unterschied zu den üblichen Holzspeichen hatten die Räder des Miele aber wesentlich robustere Stahlspeichen.

Schon mit den ersten produzierten Autos begann eine Werbekampagne für die "Made in Gütersloh"-Fahrzeuge. Miele und Zinkann kurvten mit Exemplaren des K1 und K2 zu Probe- und Reklamefahrten in der Umgebung von Gütersloh herum und warben in Zeitungsanzeigen für den "Motorwagen" und seine "höchstvollendete Konstruktion, Präzisions-Arbeit, vornehme Form und geschmackvolle Ausstattung".