Im April 2012 hatte die Bundesregierung nach langer Bewerbungsphase die "Schaufenster" für Elektromobilität gestartet. Der Name ist Programm: Das Ziel ist, Elektroautos sichtbarer zu machen. Denn sie müssen nicht mehr erfunden werden, es gibt sie in breitem Angebot – vom Luxusauto Tesla S bis zum kleinen Spaßmobil Renault Twizy. Aber nur durch Fahrzeuge auf der Straße lassen sich Unternehmen und Privatkunden überzeugen, solche Autos zu kaufen. Mit 180 Millionen Euro staatlicher Förderung sollen die Schaufenster dazu beitragen, das Ziel der Regierung von einer Million Elektrofahrzeugen auf Deutschlands Straßen bis zum Jahre 2020 zu erreichen.

Was ist nach einem Jahr in den vier Schaufensterregionen Baden-Württemberg, Berlin-Brandenburg, Niedersachsen und Bayern-Sachsen zu sehen? Es sollte doch einfach sein, eine Erfolgsbilanz zu ziehen, die sich auf eine Excel-Tabelle reduziert. Wenn man eine Breitenwirkung erzielen will, braucht man eine breite Grundlage, sprich Elektroautos und Ladesäulen, die in den Regionen zum Einsatz kommen. Die Frage lautet also: Wie viele Elektroautos und Ladesäulen wurden zusätzlich in die Schaufenster gestellt?

Ein Anhaltspunkt könnte das Carsharing-Programm car2go sein. Immerhin standen Ende April in Stuttgart 348 E-Smart und in Berlin 16 E-Fahrzeuge zur Verfügung. Außerhalb Deutschlands gab es zum gleichen Zeitpunkt übrigens in Amsterdam 261 registrierte E-Smart bei car2go. Hätte man für jeden der 364 registrierten E-Smart in Stuttgart und Berlin eine Kaufunterstützung von 5.000 Euro bezahlt, wären das 1,8 Millionen Euro Fördersumme. Also muss noch was übrig sein von den 180 Millionen Euro.

Auf den Websites der Schaufenster findet sich eine andere Art von Bilanz. Es ist keine simple Tabelle, die so schön einfach den Erfolg signalisieren könnte. Stattdessen wird über viele, sehr viele Gesprächskreise, Diskussionsformen, Tagungen und Kongresse, Wanderausstellungen und Messeauftritte berichtet.

Nur ein Beispiel aus dem Südwesten, wie sich das dann chronologisch liest: Am 28. Februar 2014 wird mitgeteilt, dass Baden-Württemberg die Zusammenarbeit mit Südkorea ausbaut; am 1. März wird eine Bürgerumfrage bei 8.700 Stuttgartern zur Elektromobilität vorgestellt; am 11.März wird ein Kompetenzatlas Elektromobilität – also eine Art Telefonbuch – vorgestellt; am 25. März wird darüber informiert, dass ein Elektroauto des Schaufensters bei der Rallye Monte Carlo dabei ist; vom 6. bis 8. Mai findet in Ulm ein Seminar für Elektromobilität statt; am 20. Mai wird in Ostfildern das 3. Symposium Elektromobilität der Technischen Akademie Esslingen abgehalten; und so weiter und so fort.

Eine solche Art der Erfolgsbilanz findet sich als zentrale Information auf allen vier Schaufenster-Websites. Schaufenster scheint übersetzt worden zu sein als: Seminar, Messeauftritt oder Umfrage. Man produziert Kleinteiligkeit und verliert vor lauter Bäumen den Blick auf den Wald.

Kleinteilig angelegte Strukturen bringen kleinteilige Ergebnisse

Versucht man die Schaufenster-Wettbewerbe zu verstehen, wird deutlich, warum man in Nebensächlichkeiten abdriftet. Mit den 180 Millionen Euro Fördergeld wollen die Schaufenster den lieben Gott samt seiner ganzen Welt erklären. Zitate aus den Schaufenstern verdeutlichen das sehr gut. So wirbt etwa Baden-Württemberg: "In rund 40 Projekten wird Elektromobilität vom E-Bike über das Elektroauto bis hin zu Nutzfahrzeugen und Plug-in-Hybridbussen in der alltäglichen Anwendung erforscht. Dabei spielen neben intermodalen Mobilitätsmodellen vor allem Flottenversuche, Projekte im Bereich Energie, IKT und Infrastruktur, Wohnbau und Stadt- und Verkehrsplanung sowie die Fahrzeugtechnologie eine wichtige Rolle." Das einzige, was hier noch fehlt, sind Elektroschiffchen.

Aber zum Glück gibt es ja das Schaufenster Berlin-Brandenburg. Dort gilt: "Die Berliner Verkehrsbetriebe setzen ab Januar 2014 elektrisch angetriebene Personenschiffe auf den zahlreichen Berliner Gewässern ein." Die Schiffchen gibt es übrigens zusätzlich zu "Elektrofahrzeugen im Lieferverkehr und bei der Müllentsorgung" und der "batterieelektrisch betriebenen Buslinie durch die Berliner City" mit induktiver Aufladung an den Endhaltestellen sowie dem Pedelec-Korridor, der zum Umstieg motivieren soll.