Wer den Sparpreis erwischt, hat Glück: Ein Flug von Berlin nach London kostet dann gerade einmal soviel wie eine Fahrt im Regio nach Warnemünde. Mit Billig-Airlines fliegen die Deutschen quer durch Europa – einfach nur, weil’s Spaß macht und günstig ist.

Auf den ersten Blick mag es sinnvoll klingen: Der Staat besteuert diesen ökologischen Reise-Irrsinn. Schließlich gelangen Klimagase in Höhen der Atmosphäre, wo sie besonders stark den Treibhauseffekt anheizen. Seit drei Jahren verlangt der Bund daher für jede Flugreise zwischen 7,50 Euro für Inlandsflüge und 42,18 Euro für weite Strecken. Die Steuer, über die das Bundesverfassungsgericht derzeit auf Antrag von Rheinland-Pfalz verhandelt, soll daher die Reisenden lenken: weg vom Flugzeug, hin zur Bahn. Zwischen 2010 und 2013 ist die Zahl der innerdeutschen Fluggäste tatsächlich deutlich zurückgegangen. Alles gut?

Nein. Denn tatsächlich ist die Steuer so konstruiert, dass sie die Falschen bestraft und am Ende der Umwelt mehr schadet als hilft. Denn jede Airline muss die Steuer zahlen, sobald ihre Flieger in Deutschland abheben. Es ist völlig unerheblich, ob die Flotte aus Kerosinfressern oder energieeffizienten High-Tech-Maschinen besteht, die pro Fahrgast viel weniger Treibhausgase ausstoßen. Die Steuer ignoriert zudem, ob überproportional viele Erste-Klasse-Passagiere mit extra Beinfreiheit an Bord sind: Deren Klimabilanz ist wesentlich schlechter als bei normalen Kunden.

Besonders die deutschen Fluggesellschaften haben durch die Steuer einen erheblichen Nachteil gegenüber der ausländischen Konkurrenz. Denn die deutschen starten auf ihrem Heimatmarkt überproportional häufig. Das hat Folgen: Während die Steuer bei der ohnehin gebeutelten Lufthansa den operativen Gewinn halbiert, hat die Konkurrenz genügend Geld für Innovationen. Erster Abnehmer des neuen Airbus-Fliegers A350, der ein Viertel weniger Kerosin verbrauchen soll, ist Qatar Airways.

In dieser Konstruktion gehört die Luftverkehrssteuer abgeschafft. Sinnvoller wäre es, sie zu differenzieren: Der Staat könnte genau die Unternehmen steuerlich belohnen, die auf Energieeffizienz setzen. Noch besser wäre es, den Emissionshandel im Flugverkehr auszubauen.

Wenn der Regierung der Klimaschutz tatsächlich ein Anliegen wäre, dann müsste sie die Bahn attraktiver machen – und nicht das Fliegen pauschal teurer. Worum es wirklich geht, zeigte sich in den schwarz-roten Koalitionsverhandlungen vergangenen Herbst: Die Verkehrspolitiker von Union und SPD wollten die Steuer abschaffen. Am Ende aber setzten sich die Haushälter durch. Schließlich bringt die Ticketsteuer dem Bund eine Milliarde Euro. Jedes Jahr.