Michael Müller-Görnert vom ökologischen Verkehrsclub VCD kennt die Argumente der Luftfahrtindustrie. "Hier wird auf höchstem Niveau gejammert", kritisiert er. "Darüber zu klagen, dass nationale Flüge der Mehrwertsteuer unterliegen, ist absurd, zumal über 90 Prozent aller Flugbewegungen international sind." Auch der Emissionshandel, der innerhalb der EU gilt, habe lediglich Symbolcharakter, weil die Zertifikate zu billig seien. "Eine Lenkungswirkung geht davon nicht aus", sagt Müller-Görnert.

Solange es schwierig sei, über binationale Abkommen eine Kerosinsteuer wie in den Niederlanden oder Norwegen einzuführen, plädiert er für einen Ausbau der Ticketsteuer, die unter anderem in Frankreich, Großbritannien und Österreich für sämtliche Fluggesellschaften erhoben wird. So müssten Passagiere der Business-Class aus seiner Sicht höhere Abgaben bezahlen, weil sie mehr Platz bekommen und darum pro Kopf mehr Kerosin verbrannt wird.

Der VCD hat in diesem Zusammenhang gemeinsam mit dem Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft (FÖS) bei TNS Emnid eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben. Das Ergebnis der Erhebung im Februar: 78 Prozent der Deutschen finden es falsch, dass Kerosin steuerfrei ist. 74 Prozent befürworten eine höhere Ticketsteuer für Business-Class-Kunden. Dieses scheinbar eindeutige Votum ist trotzdem mit einer gewissen Vorsicht zu genießen. Es ist zu erwarten, dass sich diese Meinungen ändern würden, wenn die eigene Reise unbezahlbar und Fliegen zum exklusiven Vergnügen für Wohlhabende würde.

Letzter Ausweg Ackersprit

Problematisch am Luftverkehr ist nach Ansicht des VCD auch die enge Verquickung von Staat und Wirtschaft. Das Land Rheinland-Pfalz hat jüngst vor dem Bundesverfassungsgericht eine Schlappe erlitten beim Versuch, die Luftverkehrssteuer zu kippen. Die Richter machten in der Verhandlung deutlich, dass sie die sogenannte Ticketsteuer wohl für verfassungsgemäß halten; das Urteil steht noch aus. Rheinland-Pfalz betreibt den Flughafen Hahn im Hunsrück, wo laut der Landesregierung die Passagierzahlen seit Einführung der Steuer Anfang 2011 eingebrochen sind. Auch der Neubau des Hauptstadtflughafens BER zeigt, wie nah Staat und Industrie verbandelt sind und wie schnell Steuergeld investiert oder verschwendet wird, um dem Luftverkehr mehr Auftrieb zu geben.

Die Luftverkehrsindustrie hat ohnehin weniger vor der Energiesteuer Angst als vor tatsächlich ansteigenden Rohölpreisen. Airbus zum Beispiel ist stolz darauf, beim neuen A 350 einen Verbrauchsvorsprung von 25 Prozent im Vergleich zum Konkurrenten Boeing 777 erreicht zu haben. Eine noch geschicktere Bestuhlung, weniger Gewicht durch Multimaterialeinsatz mit immer mehr kohlefaserverstärkten Kunststoffen sowie eine verbesserte Aerodynamik machen den Airbus sparsamer.

Nur elektrisch fliegen wird eine Touristenmaschine auf die Balearen aus heutiger Sicht wohl niemals. Wer so große Lasten transportieren will, wird auf kohlenwasserstoffbasierte Kraftstoffe angewiesen bleiben. Das Kerosin kann also nur durch ähnliche Spritsorten ersetzt werden – zum Beispiel durch Biokraftstoffe vom Acker, einem Konzept, das gerade erst beim Auto gescheitert ist.