Wie die verschiedenen Farben für Lack und Innenraum aussehen, erfährt der Besucher des Mercedes me Stores entweder über die realen Muster, die in den Schubladen eines Separees untergebracht sind. Oder er nutzt den Konfigurator, dessen Inhalt klein auf dem Tablet-Computer und groß auf einem Bildschirm an der Wand angezeigt wird. Die Summe der Dienste erspart den Weg ins Autohaus.

Mercedes-Benz, immer noch einer der wertvollsten Namen der Republik, tut gut daran, auf Innovation zu setzen. Der durchschnittliche Mercedes-Neuwagenkäufer in Deutschland ist etwa 55 Jahre alt. Vor vier Jahren lag das Mittel sogar bei rund 60. Den Autos mit dem Stern auf der Haube drohte die Vergreisung der Kundschaft. Was in den siebziger und achtziger Jahren noch der Traum des Kleinbürgers war, mutierte bald zu einer Marke, bei der Anspruch und Preis nicht mehr mit der Wirklichkeit des Autokäufers übereinstimmten. Die Ära, in der die Fahrzeuge rabattfrei verteilt wurden, ist lange vorbei.

So passt es denn auch sehr gut in die neue Zeit, dass der Mercedes me Store an der Binnenalster nur wenige Hundert Meter vom Car2go-Shop entfernt liegt. Die Nutzer der Miet-Smarts sind keineswegs ökologisch bewegte Autoverzichter. Vielfach sind es junge Menschen, denen der Besitz eines eigenen Fahrzeugs zu nervtötend ist und die dennoch Auto fahren wollen. Und zudem häufig über zwei für Mercedes wichtige Eigenschaften verfügen: Sie haben das nötige Kleingeld, um irgendwann vor die Tore der Stadt zu ziehen, wo sie einen familientauglichen Wagen brauchen. Und streben in Jobs, mit denen die Wahl eines Dienstwagens – wie zum Beispiel die A-Klasse – verbunden ist.

Mit der Präsentation der Marke inklusive Verkaufsangebot in einem Ladengeschäft entmystifiziert Mercedes auch das Auto an sich. Es ist kein Produkt mehr, für das Neugierige einen Umweg ins Industriegebiet auf sich nehmen. Stattdessen steht es gleichberechtigt neben den anderen Gegenständen, die unser Leben begleiten.

Die konkurrierenden Hersteller werden sich den Mercedes me Store genau anschauen. Vielleicht ist das Konzept ein Weg, die Händler vom ungeliebten, weil wenig profitablen Verkauf zu befreien und ihnen das reine Wartungsgeschäft zu überlassen.