Bitte lächeln? Eher nicht, wenn die Kamera im Starenkasten oder mobilen Radargeräten am Straßenrand sitzt und wegen überhöhter Geschwindigkeit auslöst. Auf diesen Schnappschuss verzichtet man gerne. Viele Autofahrer halten die Blitzer für reine Schikane oder Abzocke. "Leute sehen es als Norm an, mit dem Auto auch mal zu schnell sein zu dürfen", sagt Jens Schade, Psychologe an der TU Dresden. Geschwindigkeitsüberwachung sei fast durchweg negativ besetzt.

Allerdings ist im gesellschaftlichen Maßstab kein Straßenverkehrsdelikt in seinen Folgen so schwerwiegend wie Tempovergehen: Bei einem Drittel aller Verkehrstoten auf deutschen Straßen ist die Unfallursache zu schnelles Fahren. Doch im Gegensatz zu Alkoholdelikten fehle diese Einsicht bei den meisten Autofahrern, sagt Schade.

Viele hielten sich zudem für so gute Fahrer, dass sie glaubten, auch oberhalb der erlaubten Geschwindigkeit alles unter Kontrolle zu haben, so der Psychologe. Zumal man bei Regeleinhaltung häufig von anderen Fahrern signalisiert bekomme, ein Verkehrshindernis zu sein.

Also eher Fürsorge als Abzocke und Schikane? Experten sind sich einig, dass Geschwindigkeitsüberwachung ein unverzichtbares Instrument der Verkehrssicherheit ist. Aber: Blitzen nur dort, wo es Unfallschwerpunkte gibt oder auch flächendeckend und unerwartet? Daran scheiden sich die Geister.

Breite Straßen laden zum Schnellfahren ein

Nach Einschätzung von Michael Haberland vom Automobilclub Mobil in Deutschland werden viele Messungen dort vorgenommen, wo es zu keiner signifikanten Unfallhäufigkeit gekommen ist. Städtische Ausfallstraßen würden häufig bewusst mit Temposchildern heruntergeregelt, an Baustellen werde oft schon am ersten Tag gemessen. Vieles werde unternommen, um Einnahmen in die öffentlichen Haushalte zu spülen, sagt Haberland. Radarkontrollen seien daher häufig nur Abzocke.

Dem widerspricht Endro Schuster, Polizeioberrat im brandenburgischen Innenministerium. Maßgebend für Beschilderung und Kontrolle seien immer die Unfallzahlen an den entsprechenden Stellen. Und auch dort, wo kein Unfallschwerpunkt vorliege, geschähen Unfälle, so Schuster. Es dürfe daher keinen Verkehrsraum geben, der von Kontrollen ausgespart bleibe.

Das sieht auch das Gros der Experten so: Es müsse nun mal ein Regelwerk im Straßenverkehr geben, und wer sich an die vorgeschriebene Geschwindigkeit halte, habe nichts zu befürchten. Außerdem führen Übertretungen zum überwiegenden Teil zu Verwarnungsgeldern. Nur etwa vier Prozent der Geblitzten erhielten einen Bußgeldbescheid und entsprechende Punkte in Flensburg, sagt Dieter Müller vom Institut für Verkehrsrecht und Verkehrsverhalten. "Im internationalen Vergleich wird mit Geschwindigkeitstätern hierzulande sehr glimpflich umgegangen."

Was also tun, um angepasste Geschwindigkeit zur gesellschaftlichen Norm werden zu lassen? Einen wesentlichen Schritt in diese Richtung sehen Experten darin, den Autofahrern transparent zu machen, warum sie an den konkreten Stellen kontrolliert werden. Die Politik habe hier noch einen gewaltigen Nachholbedarf. Verkehrspsychologe Schade sieht aber auch in der baulichen Gestaltung einen herausragenden Hebel, um das Tempo im Rahmen zu halten. Zu viele breite und langgezogene innerstädtische Straßen suggerierten, dass hier schneller gefahren werden könne. Die Straße müsse "selbsterklärend" sein, so Schade. Sie müsse wieder enger werden, was automatisch die Geschwindigkeit drossle. Er plädiert daher für den Rückbau.