So spanisch sich Seat und seine Mitarbeiter in Barcelona auch fühlten: Bis in die frühen 1980er Jahre hinein fertigte der Autobauer ausschließlich Fiat-Fabrikate in Lizenz. Doch dann kühlte sich das Verhältnis ab, der Fiat-Konzern – der 1950 zu den Geldgebern bei der Seat-Gründung gehört hatte und seitdem Anteile an Seat hielt – geriet in finanzielle Nöte und überwarf sich mit den Spaniern. Dass Seat die Trennung überlebte, gelang nur dank der überraschenden Unterstützung durch mehrere große Marken und Namen. Denn als Fiat sich zurückzog, hatte Seat ein Problem: Es fehlte ein attraktives Modell.

Ausgerechnet der italienische Stardesigner Giorgio Giugiaro zeichnete den ersten komplett eigenständig entwickelten Seat, den Kleinwagen "Ibiza" – Giugiaro hatte zuvor den direkten Rivalen Fiat Uno entworfen. Porsche wiederum hatte es sich damals zur Mission gemacht, auch malade Unternehmen mit neuer Motorentechnik in Fahrt zu bringen. So war der Ibiza nach dem größeren Ronda bereits das zweite Seat-Modell, das Porsche-Technik in sich trug. Geradezu stolz prangte auf den Ventildeckeln des Ibiza der Schriftzug "System Porsche". Ein Logo, für das Seat nur zu gerne sieben Mark Lizenzgebühr pro Motor zahlte – und fortan auf internationalen Messen mindestens einen Ibiza mit geöffneter Motorhaube präsentierte.

Karosseriespezialist Karmann aus Osnabrück schließlich war Kooperationspartner für die Entwicklung von Fahrgastzelle und Fertigungswerkzeugen des Kleinwagens, der zu einem Bestseller unter den europäischen Kleinwagen avancieren sollte. Tatsächlich trug der sensationelle Erfolg des ersten Ibiza entscheidend dazu bei, dass Seat nur zwei Jahre später den Weg unter das Dach des Volkswagen-Konzerns fand.

Der Pariser Autosalon 1984 bot die passende Premierenplattform für die erste eigenständig angeschobene Produktneuheit, die Seat mit den Kooperationspartnern in nur drei Jahren realisiert hatte. In Paris fanden die Spanier den internationalen Rahmen, um sich als neuer europäischer Konkurrent von Kleinwagen-Riesen wie Fiat, Citroën, Peugeot, Renault, aber auch Ford, Opel und VW vorzustellen.

Mit Porsche-Technik zu besten Fahrleistungen

Als die Italiener Seat nicht mehr mochten und überraschend 1981 ihre Unternehmensanteile verkauften, geriet das spanische Unternehmen ins Trudeln – war man doch gezwungen, in kürzester Zeit eine komplett eigenständige Produktpalette aufzubauen und parallel einen neuen Kooperationspartner zu finden. Zum Sanierer wurde der Volkswagen-Konzern, für den sich Seat fein gemacht hatte, mit neuen Modellen wie dem Ibiza. Im Juni 1986 übernahm Volkswagen 51 Prozent der Seat-Anteile, Ende 1986 erhöhte VW auf 75 Prozent. Danach bauten die Wolfsburger die Beteiligung bis zur vollständigen Übernahme aus. Die Basis für bis heute fünf Millionen Ibiza in vier Generationen.

Als der dreitürige Ibiza 1986 Verstärkung durch einen Fünftürer erhielt, war Seat auch in Deutschland der Durchbruch gelungen. Nicht etwa als Billigheimer, sondern durch "Leistung, die überzeugt", wie der Werbeslogan für den Ibiza versprach. So war etwa der Ibiza GLX mit 63 kW (85 PS) starkem 1,5-Liter-Benziner teurer als der größere Seat Ronda 1.5, auf dessen verkürzter Plattform der Ibiza aufbaute. Auch vergleichbare Wettbewerber wie Fiat Uno und Peugeot 205 unterbot der Ibiza preislich nicht. Allein gegenüber seinem späteren Konzernbruder Volkswagen Polo war er bis zu 25 Prozent billiger.

Maßstäbe setzte der Seat bei Fahrleistungen und Verbrauch. Das 1,5-Liter-Powerpaket aus dem Hause Porsche trieb den Ibiza auf bis zu 174 km/h, der Normverbrauch lag bei 4,8 Litern je 100 Kilometer. Das waren Bestwerte in dem Fahrzeugsegment. Zudem begeisterte der Ibiza die Autojournalisten mit seiner Straßenlage, einer guten Ausstattung und reichlich Platz fürs Wochenendgepäck.