Eine Stunde zuvor am Berliner Südkreuz. Vor dem S-Bahnhof stehen mehrere Dutzende Taxen. Die ersten formieren sich langsam zu einer Linie. Gleich werden sie in einem Autokorso in Richtung Olympiastadion fahren. In kleinen Grüppchen unterhalten sich die Taxifahrer, immer wieder sind lauter werdende Stimmen zu hören. Einer Meinung sind hier wenige.

Zwei Fahrer aus Kreuzberg schimpfen auf Uber. Es sei doch Blödsinn, dass den Taxifahrern vorgeworfen werde, ein Kartell zu bilden: "Hier sind doch lauter Einzelkämpfer." Ein paar Meter weiter streiten ein paar Männer. Sie finden die Demo falsch. "Es ändert sich sowieso nichts", sagt ein älterer Fahrer. Seit 17 Jahren ist er im Geschäft, in der Zeit hat er schon an vielen Protesten teilgenommen. Gebracht hätten die nichts, sagt er. Im Gegenteil: Er befürchtet, dass Uber durch die Demonstration mehr Aufmerksamkeit bekomme und letztlich davon profitiere.

Yesil kennt das Argument. "Im Umkehrschluss würde das bedeuten, dass man gar nichts machen kann." Und einfach so lässt sich der 47-Jährige nichts gefallen. Schließlich fahre er seit 18 Jahren Taxi. Er müsse seine Familie ernähren. Von Misserfolgen lasse er sich nicht entmutigen, sagt Yesil, der sich häufig engagiert. Zusammen mit Freund und Kollege Erkan Özmen organisiert er die Abfahrt vom Südkreuz.

Appell an die Politik

Knapp 200 Taxen sind dabei, einige reihen sich während der Fahrt noch in den Protest ein. Vom Flughafen Tegel und vom Hauptbahnhof stoßen viele weitere dazu. "Ich freue mich, dass so viele gekommen sind", sagt Özmen. Denen, die nicht mitmachen wollen, sei er aber nicht böse. Sie hätten einfach nur resigniert.

"Die Taxen machen eine Demo, und Uber macht mit dem Geschäft weiter", sagt der ältere Fahrer. Seinen Namen möchte er nicht nennen. Allerdings fordert er Maßnahmen gegen Uber: Der Berliner Senat müsse handeln, sagt er. Denn Uber – das findet auch er – sei illegal. In Hamburg hat die Wirtschaftsbehörde den Anbieter Wundercar, der mit einem ähnlichen Konzept wie Uber angetreten war, verboten.

Eines ist Taxi-Unternehmer Leipold wichtig: Mit der Blockade von Innovation oder Start-ups habe der Protest nichts zu tun. Aber: "Ohne Regeln gibt es keinen Wettbewerb!", ruft er am Ziel der Sternfahrt vor dem Olympiastadion den versammelten Taxifahrern zu. Alle, die am Wettbewerb teilnehmen, müssten sich an Gesetze halten – die anderen müssten gehen. "Uber raus aus dieser Stadt!" schallt es über den Platz, bevor die Taxen wieder in Richtung Stadt rollen.