Die Frage ist nur: Kann man tatsächlich davon ausgehen – wie die Schweden es tun – dass das gut austarierte System einer optimalen Infrastruktur und einer aufwändigen Überwachung menschliche Fehler abfedert und es daher zu keinen Verkehrstoten kommt? Diese Maxime geht ja inzwischen so weit, dass schwedische Ingenieure an der Entwicklung eines weichen Straßenbelags tüfteln, der einem stürzenden Fußgänger Verletzungen ersparen soll.

Handlungsbedarf besteht hierzulande immer noch bei Ausbau und Neugestaltung unfallträchtiger Landstraßen. Deren unbefestigte Randstreifen können zu kritischen Situationen führen. Und nach wie vor sind die dicht am Straßenrand stehenden Bäume auf ostdeutschen Alleen ein Sicherheitsrisiko für Raser. Fast zwei Drittel der 3.600 Unfalltoten waren 2012 auf Landstraßen ums Leben gekommen.

Die Einführung niedrigerer Geschwindigkeitsbegrenzungen auf Autobahnen dürfte dagegen weniger nottun, weil dort die wenigsten Unfälle passieren. Ganz anders in geschlossenen Ortschaften: Dort registriert die Polizei die meisten Unfälle mit Personenschaden. Allerdings kommt der größte Teil der Betroffenen mit leichten Verletzungen davon. Von den insgesamt 251.371 Unfallopfern innerorts im Jahr 2012 starben 1.062, das sind 0,4 Prozent.

Braucht es eine Helmpflicht?

Schon jetzt gibt es etliche Städte und Gemeinden, die null Unfalltote vorweisen können. Die Beratungsfirma Dekra hat für ihren Verkehrssicherheitsreport 2014 die Unfallzahlen in 17 europäischen Ländern betrachtet. 462 der 967 Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern verzeichneten im Zeitraum 2009 bis 2012 zumindest in einem Jahr keinen Verkehrstoten. Darunter sind 88 Großstädte mit über 100.000 Einwohnern, auch deutsche wie Aachen, Oberhausen und Mönchengladbach.

In 16 Städten über 50.000 Einwohnern kam sogar im gesamten Zeitraum kein einziger Mensch im Straßenverkehr um. Dazu zählen sechs Städte in Deutschland: Velbert, Kerpen, Dormagen, Hürth, Neustadt an der Weinstraße und Bad Homburg.

Selbst die Einführung einer Helmpflicht für Radfahrer scheint überflüssig zu sein. "Die meisten Unfälle bei Radfahrern führen gar nicht zu Kopfverletzungen, sondern zu Verletzungen am Bein", sagt der an der TU Dresden tätige Unfallforscher Uli Uhlenhof. "Außerdem würde eine Helmpflicht nur dazu führen, dass weniger Rad gefahren wird und damit der Krankenstand ansteigt." Das Dresdner Team hat allerdings für Radfahrer und Fußgänger ein achtmal höheres Unfallrisiko als für Autofahrer festgestellt.