So richtig trauen die Deutschen Erdgas als Treibstoff nicht. Dabei ist es günstig, und es gibt in Deutschland fast eintausend Tankstellen mit dem als CNG bezeichneten Sprit – eigentlich genug für eine halbwegs flächendeckende Versorgung, wenngleich sich die Zahl gegenüber den rund 15.000 konventionellen Zapfstellen natürlich klein ausnimmt. Aber wer sich beispielsweise auf eine Spritmarke kapriziert, hat ein ähnliches Problem. So gibt es auch nur rund eintausend Esso- oder Total-Stationen, nur ist deren Sichtbarkeit eben besser als die von Erdgas-Tankstellen.

Doch das wahre Problem scheint ein anderes. Das Angebot an Erdgasmodellen ist klein: Es gibt insgesamt kaum mehr als 20 verschiedene Autos am Markt. Fiat allein offeriert fünf Modelle und ist damit führend beim Erdgas-Antrieb.

Eines davon ist der 500 L. Der Kompakt-Van im ausgefallenen Stil bietet großzügige Platzverhältnisse für Mensch und Gepäck – ein idealer Begleiter für einen Langstrecken-Praxistest. Wir sind mit der Erdgasversion Natural Power von Berlin an die italienische Riviera gefahren. Eines sei vorweggenommen: Liegen bleibt man mit dem bivalenten Antrieb nicht. Neben dem CNG-Behälter hat der Wagen einen Benzintank in regulärer Größe (50 Liter) an Bord.

Aber Benzin tanken mit einem Gasauto, das muss nun wirklich nicht sein. Zumal der durchschnittliche Preis bei 1,11 Euro je Kilogramm CNG liegt. Erdgas wird nämlich nicht in Litern, sondern je Kilo abgerechnet – und ein Kilogramm CNG entspricht 1,5 Litern Benzin. Das sorgt für zusätzliche Verwirrung, denn Unbedarfte vergleichen oft die ausgeschilderten Preise, rechnen aber nicht um; die so gefühlte Ersparnis ist demnach geringer als die tatsächliche. Umgerechnet auf Benzin-Maßstäbe kostet der Liter im Schnitt rund 75 Cent.

Umwege, um bloß kein Benzin zu tanken

Das Betanken selbst geht kinderleicht von der Hand. Die Zapfpistole mit einem Klicken auf dem Anschluss arretieren, dann wird der Start-Knopf an der Säule gedrückt. Wenn der Tank im 500 L gefüllt ist, stoppt die Anlage automatisch, und der Schlauch samt Pistole ist – ebenso simpel – wieder zu entfernen.

Fiat liefert den Erdgasantrieb lediglich in Verbindung mit dem 0,9 Liter großen Twinair-Motor, da hinter dem CNG-Auto nicht nur ein ökonomischer, sondern auch ökologischer Gedanke steckt. Besonders umweltfreundlich fährt man, wenn die Tankstelle reines Bio-Erdgas anbietet. Dann liegt die tatsächliche CO2-Einsparung bei über 90 Prozent. Das Biogas gibt es an rund 14 Prozent der Stationen. Bei Gasbetankung liefert der charakteristisch sirrende Turbo-Dreizylinder 59 kW (80 PS). Das reicht für den alltäglichen Einsatz, sofern der Fahrer keine motorsportlichen Ambitionen verfolgt.

Nun liegen mehr als 1.500 Kilometer vor uns. Das Streckenprofil ist bunt gemischt. Es geht los in Berlin; die Autobahnen A 9, A 5, A 3 und A 7 bringen uns zügig und abenteuerarm über Frankfurt am Main und Würzburg nach Innsbruck. Dank der Autohöfe schaffen wir es tatsächlich zunächst ausschließlich mit Erdgas. Wir brauchen aber locker eine Hand voll Tankstopps sowie manchen Umweg, um nicht doch Benzin nachzufüllen.