Anfassen. Immer wieder anfassen. Wenn sich Passanten unbeobachtet fühlen, schleichen sie an den Citroën C4 Cactus heran und nehmen Direktkontakt mit den Airbumps auf. Dieser markante Stoßschutz an den Flanken verhindert wirksam jene Kratzer, die im normalen Autoleben durch Einkaufswagen oder allgemeine Unachtsamkeit entstehen. Es ist wohl das höchste Lob für die Gestalter des Cactus, dass der neue Citroën die Neugierde weckt und ungefragt hochgereckte Daumen erntet. Negative Kommentare bleiben die Ausnahme.

Mit seinem Design grenzt sich der Cactus außen und innen von der langweiligen Konkurrenz ab, obwohl er nach messbaren Kriterien wie Zentimetern und Raumangebot einem Volkswagen Golf sehr nahe kommt. Was den Cactus neben der Form aber so interessant macht, ist seine intelligente Konstruktion. Hier wird schlau weggelassen, was verzichtbar ist oder erscheint. So sind die Fenster der hinteren Türen lediglich ausstellbar, und die Rücksitze können nur ganz statt geteilt umgeklappt werden.

Die Kunst der Vereinfachung lässt den Cactus verhältnismäßig leicht werden. Der Benziner wiegt ab 1.040 Kilogramm; die von ZEIT ONLINE getestete Dieselversion HDI Shine Edition, üppig ausstaffiert, bringt 1.145 Kilogramm auf die Waage. Das ist in der zur Verfettung neigenden Autowelt sehr wenig. Der Lohn der Mühe: Bei 785 gefahrenen Kilometern lag der Verbrauch im Schnitt bei 4,2 Litern Diesel pro 100 Kilometer – das ist zwar fast ein Viertel mehr, als der Laborwert von 3,4 Litern verspricht, im Ergebnis trotzdem ein sehr guter Wert.

Der Cactus wirkt nur höhergelegt

Das Rezept, mit dem der Cactus so genügsam wie ein Kaktus wird, ist konventionell. Abgesehen vom Gewicht: weniger Power gleich weniger Durst. Der Motor des Testwagens ist mit 73 kW (99 PS) derzeit der leistungsstärkste, bis der noch etwas kräftigere Turbobenziner erscheint. Doch die knapp 100 PS reichen immer aus. In 10,7 Sekunden beschleunigt der Citroën vom Stand auf 100 km/h und weiter bis auf maximal 184 km/h.

Citroën kombiniert die Handschaltung ausschließlich mit einem Fünfganggetriebe. Die Übersetzung ist sehr lang, was zu einem niedrigen Drehzahlniveau führt – wie niedrig genau, ist unklar, weil der Drehzahlmesser fehlt. Der wirkt ohnehin überflüssig. Wer Kraft benötigt, schaltet runter, in ganz harten Fällen zwei Mal. Die relativ geringen Drehzahlen machen sich beim Spritverbrauch bemerkbar. Unter Last fällt allerdings ein Malus auf, der wohl ein Preis der Diät ist: Vibrationen dringen vereinzelt und deutlich in Lenkrad und Pedale durch.

Wenig Gewicht, moderner Dieselmotor und lange Übersetzung – jetzt fehlt nur noch eine gute Aerodynamik, um den günstigen Verbrauch zu erklären. Und die hat der Cactus. Der Citroën spielt zwar mit den gestalterischen Elementen aus der Geländewagensparte, das aber sehr trickreich. Die Ausschnitte am Radhaus erwecken den Eindruck, der Cactus wäre höhergelegt. Faktisch ist er aber auf 1,49 Metern Höhe gleichauf mit einem Golf VI. Man sitzt mit guter Übersicht, dabei aber nicht aufrecht auf einem Stuhl wie in einem Fiat 500, sondern eher lässig-sportlich wie in einem 3er BMW.