Es ist jedes Jahr im Herbst das gleiche Spiel: Die Deutsche Bahn informiert über den Fahrplanwechsel, der alljährlich kurz vor Weihnachten ansteht – wobei der Fahrplan kaum im Mittelpunkt des Interesses steht, dafür aber die Ticket-Preise. Als fast schon ehernes Gesetz gilt unter Bahnfahrern, dass mit dem neuen Fahrplan auch die Preise angehoben werden. Jetzt will die Bahn zum Fahrplanwechsel am 14. Dezember die Preise im Fernverkehr stabil halten, zumindest in der zweiten Klasse.

Es wäre das erste Mal seit zehn Jahren, dass dort die Kunden keine Preiserhöhung hinnehmen müssen, wie die Infografik zeigt, die das Portal Statista für ZEIT ONLINE erstellt hat. Demnach stieg der Preis für eine Fahrt von 101 Kilometern seit 2004 Jahr für Jahr – in der Grafik ist zu sehen, um wie viel Prozent die Bahn den regulären Preis für diese Strecke und für eine kürzere Strecke von zehn Kilometern von einem Jahr zum nächsten angehoben hat, jeweils in der zweiten Klasse. Die Daten stammen vom Fahrgastverband Pro Bahn. Gerade in den vergangenen Jahren lag der Preisanstieg bei der Bahn aber über der allgemeinen Teuerungsrate, was der Konzern meist mit höheren Personal- und Energiekosten begründete.

Allerdings: In dem betrachteten Zeitraum seit der Wiedervereinigung gab es auch Jahre, in denen die Bahn ihre Preise unverändert gelassen hat – das sind die Jahre, für die in der Grafik Balken zu fehlen scheinen. Eine Strecke von zehn Kilometern etwa kostete zwischen 1992 und 2001 unverändert drei Mark. Zum Vergleich: Zuletzt lag der Preis bei 2,40 Euro, das entspricht 4,69 Mark. Die Grafik zeigt aber auch: Erheblich häufiger als im Nahverkehr wurde im Fernverkehr der Preis erhöht.

Dass die Bahn sich im Fernverkehr jenseits der ersten Klasse nicht traut, die Preise anzuheben, liegt auch an der neuen Konkurrenz durch die Fernbusse, wie Ulrich Homburg, im Bahn-Vorstand für den Personenverkehr verantwortlich, offen einräumte – man werde sich aber nicht auf einen Preiskampf einlassen, fügte Homburg hinzu. Anfang 2013 war der Markt für Fernbusstrecken liberalisiert worden. Mit den Bussen braucht man meist zwar länger als mit der Bahn, die Fahrt ist aber in aller Regel erheblich billiger. Kurze Strecken werden ab Mitte Dezember dagegen teurer, im Regionalverkehr außerhalb der Verkehrsverbünde steigen die Preise im Schnitt um 1,9 Prozent.