Das Thermometer zeigt minus 22 Grad, von Sonne keine Spur – und unser Auto steckt in einer Schneewehe fest. Trotz Allradantriebs hat der Audi keine Chance, aus eigener Kraft freizukommen. Nun warten wir auf einen Lastwagen, der uns helfen könnte – geraume Zeit später taucht einer auf. Mit seiner Hilfe kommt der Wagen wieder frei. Wir sind mit einer Gruppe an den nördlichsten Zipfel Europas unterwegs, wo die eisige Kälte Mensch und Natur noch fest im Griff hat.

Solche Erlebnistouren bietet eine Reihe von Autoherstellern – etwa BMW, Mercedes-Benz, Jaguar oder Landrover – engagierten Autofahrern im Winter an. Häufig sind sie früh ausgebucht. Der Markt für den kontrollierten Fahrspaß ist groß: Eis-Drift-Trainings werden ebenso offeriert wie Wüstentouren und klassische Fahrtrainings-Lehrgänge. Und eben eine Winterfahrt ans Nordkap.

Wir fahren mit Audi vom nordfinnischen Kittilä an das nördliche Ende des Kontinents. Insgesamt gut 1.700 Kilometer hin und zurück, mit spikebereiften Autos über geschlossene Schneedecken und eisgepanzerte Straßen. In nur drei Tagen. Das Programm sieht nicht nur sportlich aus, es ist auch für geübte Autofahrer eine Herausforderung. Immerhin 3.500 Euro haben die zehn Männer für die geführte Tour bezahlt.

Alle zehn Minuten kommt ein Auto entgegen

Zurück an den Anfang der Tour. Wir brechen in Kittilä auf. Von dort stammt der bekannte Autor Arto Paasilinna, doch auch der käme trotz vieler verschrobener Gedanken in seinen Romanen kaum auf die Idee einer Winterfahrt an den skandinavischen Nordzipfel. Das Audi-Team wartet die Flotte im nahegelegenen Skigebiet Muonio in den Garagen der Pistenraupen. Neben dem Tor liegt ein Stapel geborstener Frontschürzen und kündet von Ausrutschern vorheriger Kunden. Es ist warm, nur minus sieben Grad zeigt das Thermometer.

Mit einem Blick über die Schulter mahnt Tourleiter Markus Fiechtl-Kerschner die Teilnehmer, Abstand zu halten – er zeigt auf den Kunststoffhaufen – und das Tempolimit zu beachten. In Finnland gelten seit April 100 km/h als Höchstgeschwindigkeit, in Norwegen sind generell 80 km/h erlaubt, auf manchen Straßen darf 90 gefahren werden. Die Strafen sind empfindlich und basieren auf dem Jahresgehalt des Verkehrssünders, selbst Geringverdiener sind schnell mit 1.000 Euro dabei.

Die Spikes trommeln auf den Asphalt und singen ein Lied vom eisigen Norden. Ein eigentümliches Gefühl, mit bis zu 150 Stahlnägeln in jedem Reifen unterwegs zu sein. Die Pneus stammen von der skandinavischen Marke Lappi, bei uns weitgehend unbekannt. In Deutschland sind Spikereifen seit 1975 verboten, um den Fahrbahnbelag zu schonen. Nur für das sogenannte kleine deutsche Eck an der bayerischen Grenze gilt eine Ausnahme. Aber auf der festgefahrenen Schneedecke oder gar den vereisten Stellen leisten sie hervorragende Arbeit.

Die allradgetriebenen Audi S5 Sportback fahren mit 333 PS die Straßen entlang, links und rechts türmen sich die Schneemasse meterhoch. Verkehr gibt es kaum. Alle zehn Minuten kommt ein Auto entgegen. Nähert sich ein Lastwagen, ist Vorsicht geboten. Der Luftsog des Brummis wirbelt den kalten und lockeren Schnee über hunderte von Metern auf, der vorausfahrende Audi verschwindet in einer Wolke aus Puderzucker.