ZEIT ONLINE: Herr Nestmann, über wenige Unternehmen wird in Deutschland zurzeit so kontrovers diskutiert wie über Uber. Wie gehen Sie damit um?

Fabien Nestmann: Wir haben in der Tat eine Diskussion ausgelöst – nicht jeder findet Uber toll. Aber was in den Schlagzeilen über uns oft untergeht: Wir sind vor allem auch deshalb bekannt, weil wir etwas anbieten, das bei den Menschen extrem gut ankommt.

ZEIT ONLINE: Wir verstehen Uber einfach nicht richtig?

Fabien Nestmann: Das kann ich nicht beurteilen. In Europa ist man gelegentlich skeptisch gegenüber neuen Konzepten, die nicht aus Europa kommen.

ZEIT ONLINE: In der Öffentlichkeit herrscht vor allem ein Eindruck vor: Uber ignoriert Gesetze und schafft seine eigene Realität.

Nestmann: Wir haben in der Kommunikation sicher nicht alles richtig gemacht – gerade zu Beginn. Wir hätten deutlicher machen müssen, warum wir was tun. Aber: Wir haben uns immer an die geltenden Gesetze gehalten.

ZEIT ONLINE: Ernsthaft? In den USA haben Sie Ihren Dienst auch in Miami und Austin angeboten, obwohl die dortigen Gesetze das nicht erlaubten. In Virginia bekamen Sie eine Unterlassungserklärung, machten aber weiter.

Nestmann: Zu den USA kann ich nichts sagen. Ich bin für Deutschland zuständig. Hier haben wir immer alle Gesetze befolgt. Nach den Gerichtsurteilen in Berlin und Hamburg, durch die bestimmte Auflagen bestätigt wurden, haben wir unser Modell umgehend geändert.

Richtig ist aber auch: Das Personenbeförderungsgesetz in Deutschland ist reformbedürftig – zumindest aber modernisierungswürdig. Alternative Transportmöglichkeiten sollten nicht einfach blockiert werden. Es fehlt eine pragmatische, nach vorne gerichtete Lösung.

ZEIT ONLINE: Was heißt das konkret?

Nestmann: Im Personenbeförderungsgesetz gibt es beispielsweise die Pflicht für Mietwagen, nach jedem Auftrag zum Unternehmenssitz zurückzukehren. Solche Leerfahrten belasten die Umwelt und sind schlicht sinnlos. Auch eine Prüfung über die Ortskenntnis ist in Zeiten von Navigationsgeräten sicherlich nicht mehr nötig – vor allem, wenn man feststellt, dass es durchaus auch Taxifahrer gibt, die sich in einer Stadt nicht genau auskennen. Damit stelle ich die herrschende Gesetzeslage nicht infrage. Aber Gesetze müssen angepasst werden können, wenn sich Technologien weiterentwickelt haben. Sie müssen einen Rahmen für das heute Mögliche schaffen.

ZEIT ONLINE: Das deutsche Gesetz sieht allerdings auch vor, dass jeder einen Taxischein braucht, der Menschen für gewerbliche Zwecke durch die Gegend fährt. Sie behaupten, Fahrten über Uber seien gar nicht gewerblich. Die Fahrer hätten formal keinen Anspruch auf Bezahlung, sondern nur auf eine "freiwillige Servicepauschale". Wollen Sie die Deutschen für dumm verkaufen?

Nestmann: Theoretisch könnte man aussteigen, ohne zu bezahlen. Das machen allerdings die wenigsten. Es gibt ja glücklicherweise den Konsens: Ich bezahle, wenn ich etwas bekomme. Richtig ist: Uberpop ist sicher keine gewerbliche Aktivität, der man hauptberuflich nachgeht.