Der längste Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn ist zu Ende. Die Lokführer-Gewehrschaft hat ihren Streik wie angekündigt um Punkt 18 Uhr an diesem Samstag beendet. Die ersten Lokführer nahmen ihren Dienst wieder auf.

Die Bahn wies darauf hin, dass es dauern werde, bis sich der Zugverkehr wieder normalisiert. Erst am Montag könne wieder im Normalbetrieb gefahren werden. Am Sonntag dagegen werde nur etwa jeder zweite Zug im Fernverkehr wieder rollen. Auf den bundesweiten Hauptstrecken könnten Fahrgäste mit rund 60 Prozent des regulären Angebots rechnen.

Ursprünglich wollte die GDL bis Montag streiken. Doch am Freitag hatte die Gewerkschaft überraschend angekündigt, als "Versöhnungsgeste" den Ausstand bereits am Samstagabend zu beenden.   

Der Streik ist auch so mit 64 Stunden im Personen- und 75 Stunden im Güterverkehr der bisher längste bei der Bahn. Nach Schätzung von Bahn-Chef Rüdiger Grube hat er dem Unternehmen einen Schaden von über 100 Millionen Euro beschert. "Vom Imageschaden und Vertrauensverlust der DB ganz zu schweigen", sagte Grube der Bild am Sonntag.

Bei der S-Bahn in Berlin könnten im Rahmen der Feiern zum Mauerfall-Jubiläum schon am Samstagabend mehr als die Hälfte der Züge wieder fahren, am Sonntag seien es 90 Prozent. Im Güterverkehr seien die Auswirkungen des Streiks indes noch einige Tage zu spüren.

GDL und Bahn setzen auf Verhandlungen

Nach dem Streik setzt die GDL im Tarifkonflikt auf Gespräche mit der Bahn. "Wir diskutieren jetzt erst mal nicht über Streiks. Wir warten auf Verhandlungen", sagte GDL-Chef Claus Weselsky. Man erwarte eine Einladung durch die Bahn. Weselsky sagte, er sei bereit zu parallelen Verhandlungen der Bahn mit der GDL und der rivalisierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zur gleichen Zeit und am gleichen Ort. 

Auch die Bahn setzt auf Verhandlungen. Beim Gerichtsverfahren in Frankfurt habe es Signale gegeben, dass man wieder ins Gespräch komme, sagte ein Bahn-Sprecher, fügte aber hinzu: "Es sind im Moment noch keine Gespräche vereinbart."

Drohung mit neuen Streiks

Kern des Konflikts ist der Anspruch der GDL, auch über die Löhne und Arbeitsbedingungen der Zugbegleiter zu verhandeln. Dies lehnt die Bahn ab, da für sie bislang die konkurrierende Gewerkschaft EVG die Tarifabschlüsse gemacht hat. 

"Bisher haben wir noch über nichts Inhaltliches geredet", sagte der GDL-Bezirksvorsitzende von Berlin-Sachsen-Brandenburg, Frank Nachtigall, im RBB. Die Bahn beharre auf der Position, "dass wir nicht für all unsere Mitglieder tarifieren dürfen". Sollte das Unternehmen nicht einlenken, "wird es tatsächlich wieder zu Ausständen kommen", sagte er.