Jedes Kilogramm am Pkw erhöht den Kraftstoffverbrauch. Das ist bereits für herkömmliche Autos ein Thema, selbst wenn wie derzeit der Treibstoff angesichts niedriger Ölpreise relativ günstig ist. Erst recht wichtig ist der Blick aufs Fahrzeuggewicht bei elektrisch angetriebenen Wagen. Die Reichweite einer Akkuladung ist begrenzt, und mit jedem zusätzlichen Kilo Gewicht wird die Strecke, nach der das E-Mobil wieder an die Steckdose muss, kürzer.

Leichtbau ist machbar, aber die Werkstoffe Karbon und Magnesium sind sehr teuer. Viele Hersteller setzen daher auf clevere Alternativen zu den kostspieligen Hightech-Materialien. Wir stellen im Folgenden fünf Möglichkeiten vor, auf die Autobauer zurückgreifen.

1. Sitze

Ein Standard-Autositz wiegt gut 20 Kilogramm, und die meisten Autos haben mindestens zwei davon. Die Hersteller versuchen, das Gewicht zu senken, und ersetzen Stahl- durch Kunststoffkomponenten. Zudem werden die Lehnen besonders dünn modelliert. Wie das Gestühl in Zukunft nochmals Gewicht verlieren könnte, zeigt der Zulieferer Johnson Controls mit seinem Konzept Synergy Seat Gen 3: Hinter diesem sperrigen Namen verbirgt sich ein vergleichsweise leichter Sitz aus Naturfasern. Ein stabiles Blech in der Rückenlehne führt dazu, dass in deren Inneren die herkömmliche Metallstruktur, also Masse, eingespart werden kann.

2. Kabel

Dass Autos in den vergangenen Jahren schwerer geworden sind, liegt auch an der zunehmenden Elektronik im Fahrzeug. Allein die rund drei Kilometer Kabel treiben die Waage nach oben. Seit ein paar Jahren nutzen die Hersteller zunehmend Aluminium statt Kupfer für die Stromleiter. Die Kabel aus Leichtmetall wiegen laut dem Zulieferer Delphi bis zu 48 Prozent weniger und sind zudem äußerst widerstandsfähig gegen Abknicken.

Wegen ihrer geringeren Leitfähigkeit benötigen sie allerdings einen größeren Querschnitt als Kupferkabel. Das begrenzt im Auto ihren Einsatz an Stellen, wo ausreichend Bauraum zur Verfügung steht. Toyota setzt Alu etwa für die Verkabelung in den Türen ein.

3. Federn

Leichtbau kann nicht nur für den Spritverbrauch vorteilhaft sein, sondern auch für den Fahrkomfort. Beides verbessern will Audi mit Fahrwerksfedern aus glasfaserverstärktem Kunststoff (GFK). Die gemeinsam mit einem Zulieferer entwickelten Schraubenfedern sind dicker als gewöhnliche Exemplare aus Stahl, haben aber weniger Windungen. Die hellgrünen GFK-Federn sind laut Audi rund 40 Prozent leichter. Das Fahrzeuggewicht sinkt so um 4,4 Kilogramm.

Davon kommt rund die Hälfte den ungefederten Massen zugute, also Rädern, Bremsen und Aufhängung. Eine Gewichtsreduktion verbessert hier die Fahrpräzision. Ein weiterer Vorteil: Die GFK-Federn rosten nicht und sind auch unempfindlich bei Steinschlag, außerdem ist ihre Herstellung weniger energieintensiv als die von Stahlfedern. Premiere feierten die neuen GFK-Federn im Herbst in der Spritsparversion des Audi A6. Weitere Modelle sollen folgen.

4. Bremspedal

Pedale aus Aluminium sind bei sportlichen Autos besonders aus optischen Gründen beliebt. Doch auch zur Gewichtseinsparung machen sich die Hersteller an die Pedale ran – viele bauen inzwischen welche aus Kunststoff ein. Der Zulieferer ZF etwa bietet ein Bremspedal aus endlosfaserverstärktem Plastik an, dass rund 50 Prozent leichter sein soll als Exemplare aus Stahl. Das Material gilt als besonders fest und steif, und recyceln lässt es sich auch gut.

5. Verzicht

Am wenigsten wiegen Komponenten, die gar nicht an Bord sind. Dass Verzicht kein Verlust sein muss, zeigt aktuell Citroën. Der französische Hersteller hat bei seinem kompakten Crossover-Modell C4 Cactus einfach ein paar Extras weggelassen. Im Fond gibt es weder Fensterheber noch Kurbeln, sondern die heutzutage nur noch bei Transportern üblichen Ausstellfenster. Auch die Lüftungsdüse samt Luftkanal an der rechten Armaturenbrettseite spart sich der Fünftürer, der Beifahrer hat zum Heizen und Kühlen nur die Düse in der Mittelkonsole zur Verfügung. Lohn der Mühe: Der 4,16 Meter lange Mini-SUV wiegt in der Basisversion nur etwas über 1.000 Kilogramm.