So schnell haben Streikende selten Erfolg. Zwei Stunden war der Streik der Pariser Taxifahrer am Montagmorgen an den Flughäfen Roissy und Orly im Gang, hatte aber noch nicht mal die Hauptstadt erreicht, da kam bereits das Echo aus dem Innenministerium: Der US-amerikanische Fahrdienst UberPop werde am 1. Januar in Frankreich verboten, kündigte Regierungssprecher Pierre-Henry Bradat an. Da hatten sich gerade mal erste Kolonnen gebildet, um den Verkehr zu stören.

Damit die streikenden Taxifahrer glaubten, dass die Regierung es ernst meint, gab der Sprecher auch gleich das zukünftige Strafmaß für Vermittlungen durch UberPop bekannt: 300.000 Euro Strafgeld pro Vermittlung und bis zu zwei Jahre Freiheitsentzug. "Diese Art von Vermittlung ist nicht nur illegal, sondern stellt eine echte Gefahr für den Kunden dar", schimpfte Bradat. Er wies darauf hin, dass viele Fahrer, die sich bei UberPop anmelden, keine ausreichende Mitfahrerversicherung besitzen. Über UberPop können Privatleute Fahrdienste anbieten.

Das französische Innenministerium beruft sich dabei auf ein neues Personenbeförderungsgesetz, das im Sommer vom Parlament abgesegnet wurde und zum Beginn des neuen Jahres in Kraft tritt. Es erschwert die Bedingungen für Onlinemitfahrdienste und entstand unter dem Druck vorheriger Taxi-Streiks, die in diesem Jahr wiederholt den Verkehr in der französischen Hauptstadt lahmgelegt hatten.

Doch nicht nur die Taxifahrer fürchten sich vor den neuen Geschäftsmodellen von US-Internetfirmen. Der Hotelbranche geht es nicht anders. Die amerikanischen Internetreservierungsseiten schnappen vielen Pariser Hotels längst die Profite weg. Der oberste französische Strategiekommissar für die Wirtschaft, der Ökonom Jean Pisani-Ferry, warnte kürzlich im ZEIT-Interview: "Wenn wir nicht die richtigen Regeln für die digitale Ökonomie festlegen, werden wir erleben, wie uns systematisch die profitabelsten Geschäfte entgleiten. Das Geschäftsmodell der Wertspaltung entwickelt sich sehr schnell. Es kann die europäische Wirtschaft in eine Zuliefererwirtschaft verwandeln – wenn wir uns nicht wehren."

Sich dieser Bedrohung offenbar bewusst, wollten die erfolgreichen Pariser Taxifahrer am Montag ihren Streik nicht gleich aufgeben und in ihren Kolonnen weiter bis zur Pariser Stadtmitte fahren. Doch mit größeren Verkehrsbehinderungen wurde nicht mehr gerechnet. An dem Streik beteiligten sich nach Schätzungen der Polizei zwar mehr als 100 Taxis, aber deutlich weniger als bei ähnlichen Aktionen in der Vergangenheit.

Auslöser des Streiks war eine Entscheidung eines Pariser Handelsgerichts vom Freitag. Es hatte die Klagen mehrerer Taxiverbände und Autofirmen abgewiesen, die den Betrieb von UberPop in Frankreich verbieten lassen wollten. Das Gericht befand, der Eilantrag sei nicht gerechtfertigt.

Ähnlich wie in Deutschland hatten die Kläger argumentiert, dass Uber-Fahrer keine Taxi- oder Chauffeurlizenz hätten. Die Richter entschieden lediglich, dass Uber seine Smartphone-App ändern müsse: Aus der App müsse jeglicher Vermerk entfernt werden, der glauben machen könnte, es sei legal, dass sich die Uber-Fahrer wie echte Taxifahrer verhalten, also herumfahren und auf Fahrgäste warten.