Darf es etwas mehr sein? 300, 500 oder vielleicht doch mehr als 600 PS? Die Leistungsdaten, mit denen Autohersteller auf der wichtigsten Automesse der USA um sich werfen, machen schwindelig. Und bei den Ausmaßen der gezeigten Fahrzeuge kann man die Orientierung verlieren. Es klingt ganz, als wäre die alte Ordnung wieder hergestellt.

Der Autoindustrie geht es auf dem zweitgrößten Markt der Welt wieder richtig gut. Im vergangenen Jahr wurden mit 16,4 Millionen Neuwagen so viele verkauft wie vor der Wirtschaftskrise – besonders gut liefen die sogenannten Light Trucks, worunter Pick-ups und große SUV fallen. Auch für dieses und das kommende Jahr zeigt die Prognose nach oben. Den guten Ausblick haben die Hersteller der wachsenden Wirtschaft mit einer geringen Arbeitslosenquote zu verdanken.

Vor allem aber auch dem niedrigen Benzinpreis. Gut zwei US-Dollar kostet eine Gallone Benzin derzeit, das sind umgerechnet etwa 0,50 Euro pro Liter. Am Verfall der Rohölpreise haben die USA aktiv mitgewirkt: Der Schieferölboom – dank der umstrittenen Fracking-Methode – hat für ein großes Ölangebot am Markt gesorgt. Der günstige Sprit macht den Amerikanern wieder Lust auf große Autos, das haben die Hersteller verstanden.

Zierlichere SUV aus Deutschland

Zum Beispiel sieht Ford Platz für die Hardcore-Version seines Bestseller-Pick-ups: Der besonders robuste F-150 Raptor soll an die 500 PS leisten. Nomen est omen gilt ebenso beim 6,17 Meter langen Nissan Titan – natürlich feiern auch die Japaner dem Trend entsprechend Neuauflagen ihrer Pick-ups in Detroit. Toyota zeigt derweil den riesigen Tacoma, der allerdings in den USA nur als midsize gilt.

Deutlich zierlicher im Auftritt sind die SUV, die die deutschen Hersteller in Detroit präsentieren – auch wenn sie zu Hause zu den massigsten Autos zählen, die demnächst auf deutschen Straßen fahren. Mercedes-Benz etwa zeigt mit dem GLE Coupé die modische Version seiner in GLE umbenannten M-Klasse. Der GLE 450 leistet auch 270 kW (367 PS). Audi stellt die neue Generation seines Luxus-SUV Q7 vor, die etwas kürzer geworden ist als die vorherige, aber trotzdem mehr Platz bieten soll. Volkswagen will dem Publikum mit der Studie Cross Coupé GTE ein speziell auf den US-Geschmack zugeschnittenes Mittelklasse-SUV schmackhaft machen.

Einen Überraschungsauftritt legte der neue Ford GT hin. Der Supersportwagen ist Nachfolger des legendären GT40 aus den 1960er Jahren. Anstelle eines Achtzylinders enthält der neue GT einen doppelt aufgeladenen V6-Motor mit 3,5 Litern Hubraum. Er soll mehr als 600 PS leisten. Seinem Vorgänger wie aus dem Gesicht geschnitten, dürfte der Sportler der Publikumsliebling der Autoshow werden, wenn ab Samstag die Hallen für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich sind.