Bastler gibt es immer noch reichlich, und die intensive Beschäftigung mit der Technik alter Autos hat nichts von ihrem Reiz verloren. Aber heute kann man Oldtimer auch besitzen und bewegen, wenn man zwei linke Hände hat: Die Arbeiten an den Autos übernehmen gerne Profis.

"Mit der Professionalisierung der Dienstleistungen rund um die Oldtimer ist eine große Hemmschwelle gefallen", sagt Martin Halder, der Vorstandsvorsitzende der Berliner Meilenwerk AG, der die Szene seit vielen Jahren beobachtet und in seinen Zentren Sammler und Händler, Handwerker und Gutachter zusammenbringt. Befördert wird das Geschäft mit den alten Autos zudem durch die Finanzmärkte: Seit in der Niedrigzinsphase die Banken den Besitz von Bargeld fast schon bestrafen, entdecken viele Vermögende Oldtimer als Sachanlage mit hohem Wertsteigerungspotenzial – und Autohersteller, -zulieferer und viele andere Spezialisten eine Möglichkeit, an diesem boomenden Geschäft kräftig mitzuverdienen.

"Früher waren die Autohersteller mehr an der Zukunft denn an der Vergangenheit interessiert", erzählt Thomas Frank, Leiter von Audi Tradition. Kurz nach dem Modellwechsel wurde die Fertigung von Ersatzteilen eingestellt, die Werkzeuge landeten im Müll. Heute werden sie mit großem technischem wie finanziellem Aufwand nachgefertigt, um die wachsende Nachfrage von Sammlern etwa nach originalgetreuen Sitzbezügen für einen Sportquattro aus den Achtzigerjahren bedienen zu können.

Daher denkt man auch bei Mercedes-Benz, BMW, Audi und Volkswagen Nutzfahrzeuge – wo seit 2012 mehr als ein Dutzend alte "Bullis" auch im Kundenauftrag restauriert wurden – daran, die Geschäfte mit der Traditionspflege auszubauen, Werkstattkapazitäten zu erweitern, Kompetenzzentren aufzubauen oder den Handel mit Ersatzteilen für historische Fahrzeuge weiter auszubauen. So überlegt die VW-Tochter Bugatti, nun ebenfalls für Altfahrzeuge Ersatzteile anzubieten und eine Klassik-Abteilung aufzubauen.

"Wir sind in unserer Werkstatt bis Ende 2016 komplett ausgebucht"

Andere sind da schon längst weiter: Brabus in Bottrop, Spezialist für das Tuning von Mercedes-Fahrzeugen, baut sein Geschäft mit Classic Cars massiv aus und hat dafür kürzlich für 3,5 Millionen Euro ein neues Werk errichtet, in dem Autos aus der Wirtschaftswunderzeit penibel in Neuwagenzustand zurückversetzt werden.

Brabus-Lenker Bodo Buschmann hat dafür in den zurückliegenden zwei Jahren mehr als 100 sogenannte Youngtimer (mit einem Alter von wenigstens 20 Jahren) und Oldtimer (jenseits der 30) in aller Welt aufkaufen und einlagern lassen. Sobald sich ein Käufer gefunden hat, machen sich seine Karosseriebauer, Sattler und Mechaniker an eine Komplettrestaurierung der Fahrzeuge, bei der keine Schraube unberührt bleibt.

Brabus eifert hier dem Daimler-Konzern nach, der seit 1993 in einem Classic-Center in Fellbach Klassiker mit dem Stern auf der Motorhaube repariert und restauriert – Museumsfahrzeuge des Konzerns ebenso wie die Stücke privater Sammler. Fellbach ist der zentrale Anlaufpunkt auch für die Ersatzteilversorgung – und ein Profitcenter des Konzerns: Nach Insiderinformationen hat Mercedes-Benz Classic im abgelaufenen Jahr einen Umsatz von rund 200 Millionen Euro eingefahren.

Den hohen Stellenwert, den die Oldtimer auch für Marketing und Imagepflege des Konzerns haben, belegten im abgelaufenen Jahr auch zahlreiche Großveranstaltungen. So war Mercedes Benz Classic mit über 30 Fahrzeugen der größte Aussteller auf der Oldtimer-Messe Techno Classica in Essen. Gefeiert wurden 120 Jahre Rennsportgeschichte auch mit der Teilnahme am "Festival of Speed" im britischen Goodwood auch mit einer Armada von 15 legendären Siegerfahrzeugen.

Andere deutsche Autohersteller hinken da noch etwas hinterher. Porsche Classic haben Sammler automobilen Kulturguts mit ihren Reparatur- und Restaurierungsaufträgen sowie Bestellungen von Originalersatzteilen 2014 immerhin einen Rekordumsatz von rund 100 Millionen Euro beschert. Auch das neue Jahr lässt sich für die Traditionsabteilung des Sportwagenherstellers aus Stuttgart gut an: "Wir sind in unserer Werkstatt bis Ende 2016 komplett ausgebucht", sagt Alexander Fabig, der Leiter des Kundenzentrums.

Weil die Werkstattkapazitäten in Freiberg nicht mehr reichen, wird Porsche Classic sein Quartier am Neckar 2018 räumen und ins Stammwerk nach Stuttgart-Zuffenhausen umziehen: Im Werk 1, wo Ferdinand Porsche 1950 die ersten Sportwagen montieren ließ, sollen künftig im großen Maßstab historische Fahrzeuge gewartet und restauriert werden.
Spekulationsfieber steigt.

Immer mehr Kaufinteressenten in Asien

"Erst erfreut man sich an den schönen Autos und dem nostalgischen Fahrvergnügen – dann an den Wertzuwächsen", wirbt Dino Pannhorst, der sich auf den An- und Verkauf hochpreisiger Klassiker spezialisiert hat. In seinen im mediterranen Stil dekorierten Ausstellungshallen am Bahndamm in Gütersloh hat er fast 100 Autos stehen, viele davon mit einem sechsstelligen Preisschild hinter der Windschutzscheibe.

Ein Schwerpunkt der Sammlung sind Fahrzeuge der Marke Porsche. Aber auch alte Autos der Marken Ferrari, Mercedes und Jaguar finden sich in den Hallen, viele davon in Neuwagenzustand, aus 1. Hand und mit Laufleistungen deutlich unter 100.000 Kilometern.

Pannhorst hat im Laufe bei der Suche nach Handelsobjekten ein detektivisches Gespür entwickelt und zusammen mit seinem Vater, der in der Recycling-Branche aktiv ist, ein Netzwerk von Agenten in Japan, Kanada, USA und im Mittleren Osten aufgebaut, um automobile Pretiosen zu finden.

Manche davon haben wenige Wochen nach dem Import und der Aufbereitung durch die Spezialisten von Pannhorst schon wieder einen neuen Besitzer gefunden. Andere Fahrzeuge lässt Pannhorst auch schon mal ganz bewusst eine Weile in seinen Hallen stehen. Es lohnt sich: "Am besten", sagt er, "würde ich die Autos drei Jahre lang einlagern – und dann mit ordentlichem Gewinn verkaufen." Denn nach seiner Einschätzung werden die Preise in den kommenden Jahren "mit Sicherheit" weiter steigen.

Aus einfachem Grund: Die Zahl der Oldtimer ist endlich – und die Zahl der Kaufinteressenten wächst, vor allem im Mittleren Osten und im asiatischen Raum. Auch in China können sich reiche Menschen inzwischen auch für alte Autos begeistern: In USA und in der Schweiz, heißt es in Branchenkreisen, haben Millionäre aus dem Reich der Mitte Hallen angemietet, um ihre Klassiker zwischenzulagern. Denn das Verbot eines Imports von alten Autos nach China soll erst in diesem Jahr fallen.