Für Händler wie Pannhorst wird es dadurch immer schwieriger, hochwertige Oldtimer zu vernünftigen Preisen aufzutreiben: Sobald ein interessantes, gut erhaltenes Fahrzeug mit klar dokumentierter Historie auf einschlägigen Internet-Börsen angeboten wird, beginnt ein weltumspannender Wettlauf der Interessenten, der die Preise treibt.

So ist der HAGI-Index, der die Entwicklung der weltweiten Verkaufs- und Auktionspreise für hochwertige Oldtimer jenseits von 100.000 Euro abbildet, ist 2014 um fast 16 Prozent gestiegen. Bei Porsche-Fahrzeugen betrug die Wertsteigerung nach Recherchen der Londoner Oldtimer-Experten rund um den ehemaligen ING-Banker Dietrich Hatlapa 32 Prozent, bei Ferrari-Modellen knapp 18 Prozent. Noch deutlicher fällt die Wertsteigerung bei Betrachtung eines längeren Zeitraums aus: Seit 2011 kletterte der Index um sage und schreibe 191 Prozent.

Kein Wunder, dass sich viele Teilnehmer an der Wertschöpfungskette zurück in die automobile Vergangenheit die Hände reiben: Sattler und Reifenhersteller, Sachverständige und Teilelieferanten, aber auch Lackierer und Farbhersteller.

Bei BASF Coatings in Münster beispielsweise hütet Jürgen Book einen Schatz, dessen Wert das Unternehmen erst vor wenigen Jahren erkannte: eine Farbton-Datenbank mit 600.000 Mischformeln der früheren Glasurit-Werke. Beinahe sämtliche Autolackierungen auch längst vergessener Fahrzeughersteller wie Janus lassen sich damit historisch korrekt wiederherstellen – auf Wunsch auch künstlich gealtert. "Den meisten Oldtimer-Besitzern", weiß Book, "ist die Originalität ein sehr hohes Gut" – für das man gerne auch schon mal tiefer in die Tasche greift.

"Die Autos wurden damals nicht für die Ewigkeit gebaut"

Wenigstens 2.000 Arbeitsstunden veranschlagt Bodo Buschmann für die Komplettrestaurierung eines Mercedes SL Flügeltürers aus den fünfziger Jahren, der im Einkauf schon knapp eine Million Euro kostet. Für einen kleinen SL, die Mercedes "Pagode" aus den sechziger Jahren, kalkulieren seine Experten in Werk 4 rund 1.500 Arbeitsstunden, die sich in der Regel über ein Jahr erstrecken. Da der Aufwand bei jedem Auto gleich groß ist ("Wir machen keine halben Sachen"), werden beim Verkauf der Oldtimer nach der Restaurierung Einheitspreise aufgerufen. Bei der "Pagode" liegt der aktuell bei 249.000 Euro.

Mit Einheitspreisen arbeitet Uwe Markrutzki, Leiter der Werksrestaurierung von Porsche Classic, noch nicht. Vor einer Restaurierung wird jedes Auto eingehend begutachtet und für jeden Arbeitsschritt eine Kostenschätzung erstellt. Aber auch er macht seinen Kunden keine Illusionen: "Meist fängt es klein an – und läuft dann auf einen sechsstelligen Betrag hinaus." Für die Restaurierung allein der Karosserie eines Ur-Elfer (1963-1973) fallen rund 700 Arbeitsstunden an – zu je 105 bis 125 Euro pro Stunde. Die Teile, die erneuert werden müssen, kosten natürlich extra.
Ein Archiv hilft ungemein

Und oft zieht sich ein Projekt wesentlich länger hin als geplant. Wie bei dem Porsche 356 Speedster aus den fünfziger Jahren, der die Restaurateure wohl noch einige Wochen beschäftigen wird. Auf den ersten Blick sieht das Auto aus der Schweiz ganz gut aus. Doch nach der kompletten Entlackung der Karosserie im Laugenbad zeigt sich, wie sehr der Zahn der Zeit an diesem Auto schon genagt hat – und wie bei früheren Restaurierungen geflickt und gepfuscht wurde. Ein Türblatt ist so marode, dass es neu eingeschweißt werden muss. Die Türschwellen sind morsch, die Mulden für die Rücksitze müssen auch erneuert werden. "Die Autos wurden damals nicht für die Ewigkeit gebaut", sagt Markrutzki.

Doch fast alles lässt sich heute retten. Porsche verfügt über ein Archiv mit sämtlichen Konstruktionszeichnungen. Bestehen Zweifel an der Originalität eines Teils oder der Konstruktion, kann man hier nachrecherchieren.

Und viele alte Teile aus der Frühzeit der Marke sind inzwischen wieder in Originalqualität und auch klassischer Optik verfügbar – das Wappen etwa für den Kofferraumdeckel oder der "Purolator" (Ölfilter) in Porsche-Rot. Mehr als 52.000 Positionen zählt das Ersatzteil-Sortiment von Porsche Classic inzwischen. Und jedes Jahr kommen gut 300 neu hinzu.

Mit Werkzeugmaschinen aus dem Museum

"Die Originalität der Fahrzeuge bis zur letzten Schraube ist für viele Kunden inzwischen sehr wichtig", sagt Zentrumsleiter Fabig. Vor zehn Jahren seien alte Teile einfach gegen neue, gerne auch bessere Teile ausgetauscht worden. Heute versuche man, möglichst viel vom Original zu erhalten oder – ist das nicht mehr möglich – gegen Teile auszutauschen, die dem Original möglichst nahekommen. Dafür werden dann auch schon mal alte Zuliefererbetriebe reaktiviert oder alte Werkzeugmaschinen aus einem Museum zurück ins Werk geholt.

Vor allem aber die handwerklichen Leistungen treiben die Kosten einer Restaurierung. Stahlbleche werden in der Werkstatt noch immer nach Altväter-Manier getrieben und gedengelt, bis es sitzt und passt. Stunden gehen anschließend dabei drauf, das Blech per Hand zu glätten.

Jener Targa-Besitzer in Hennef, der zum Schutz vor "Jägern und Sammlern" nicht namentlich genannt sein will, kann noch heute alle Arbeiten, die in Freiberg an seinem Auto gemacht wurden, Schritt für Schritt nachvollziehen: Zusammen mit der Abschlussrechnung erhielt er seinerzeit ein ledergebundenes "Restaurierungsbuch", in dem alle Arbeiten in Wort und Bild dokumentiert wurden. Darin zu blättern bereitet dem Unternehmer genauso viel Vergnügen wie eine Umrundung des eingemotteten Prachtstücks in der Garage.

Aber wenn man den Wagen nicht mehr selbst steuern kann – vielleicht sollte man da an einen Verkauf denken? Auf den Vorschlag reagiert der Besitzer barsch: "Sie verabschieden sich jetzt besser!"