Peter Schreyer hat bei Kia wieder den Bleistift angesetzt. Dass die koreanische Automarke in den vergangenen zwei Jahrzehnten einen beeindruckenden Wandel und Aufstieg erlebt hat, hat sie nicht zuletzt dem deutschen Designer zu verdanken. Mit den Kia-Modellen von Anfang der neunziger Jahre – damals begann die Marke, den deutschen Markt zu beackern – haben die heutigen Exemplare nicht mehr viel zu tun.

Den neuen Sorento haben die Gestalter stylischer gezeichnet als den Vorgänger. Die Tropfenform-Elemente in dem größer gewordenen Kühlergrill erinnern an das Design des Kühlergrills am Mercedes-Benz CLA, den die Kreativen in Stuttgart ähnlich auf jung und sportlich getrimmt haben. Zugleich ist der neue Kia-SUV etwas länger und flacher als der auslaufende Sorento II, was ihn – zusammen mit den kurzen Überhängen – dynamischer wirken lässt. Doch was ist nur mit dem Heck des Sorento los? Es wirkt gegen die Front fast langweilig. Geradezu so, als wollte das Designteam jene Kunden versöhnen, die es doch gerne etwas sachlicher hätten.

Kia bietet den neuen SUV ausschließlich mit einem Dieselmotor an. Er bietet 147 kW (200 PS) und damit drei PS mehr als das Triebwerk im bisherigen Sorento. Den Ingenieuren geht es offenbar weniger um Performance als um Effizienz. Mit Handschaltung verbraucht der Diesel laut Normzyklus 5,7 Liter je 100 Kilometer, was ein akzeptabler Wert ist. Die meisten Kunden werden sich aber für einen Allradantrieb und Automatik entscheiden; Kia geht von einem Anteil von 90 Prozent aus. Dann liegt der Normverbrauch bei 6,6 Litern und der Einstiegspreis steigt von 34.990 auf 38.990 Euro.

Die Konkurrenzprodukte der süddeutschen Autohersteller schaffen rund einen Liter weniger – aber kosten auch gut und gerne 20.000 Euro mehr. Mit den teuren Modellen aus München und Stuttgart möchte sich Artur Martins, Marketingverantwortlicher bei Kia Motors Europe, durchaus messen, und darum betont er gern den Fortschritt, den Kia bei der Qualität gemacht habe.

Man muss auch neidlos anerkennen, dass der Sorento richtig gut geworden ist. Dank der Servounterstützung ist die Lenkung ziemlich direkt – und so wieselt der SUV mit seinen zwei Tonnen Gewicht behände um die Kurven, wie man es von manch anderem Kia-Modell gar nicht gewohnt ist. Synthetisches Gefühl am griffigen Lenkrad? Mitnichten. Derweil eliminieren die Dämpfer selbst grobe Bodenwellen gekonnt.

Auch der überarbeitete Selbstzünder macht einen guten Eindruck. Er wirkt kräftiger als die bisherigen Ausführungen – dass die Beschleunigung vom Stand auf Landstraßentempo trotzdem eher neun als siebeneinhalb Sekunden dauert, ist vor allem dem hohen Leergewicht geschuldet. Zugleich darf man von einem Vierzylinder-Diesel keinen allzu seidigen Lauf erwarten. Die Techniker begegnen den Geräuschen mit einer massiven Dämmung: Auch bei der Richtgeschwindigkeit 130 km/h lassen sich Unterhaltungen sehr gut in Zimmerlautstärke führen.