Bei der Deutschen Bahn ist ein Streik der Lokführer vorerst abgewendet. Wie das Unternehmen mitteilte, werden die Verhandlungen mit der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) am Donnerstag fortgesetzt. Beide Seiten hätten in intensiven Gesprächen in den vergangenen Tagen "Ergebnisse" über die künftige Tarifvertragsstruktur erzielt, erläuterte die Bahn.

Die GDL bestätigte eine grundsätzliche Verständigung mit der Deutschen Bahn. "Ja, wir haben eine Einigung", sagte ein GDL-Sprecher. Somit werde nicht gestreikt. Die Führung der Gewerkschaft hatte am 11. Februar die Tarifrunde für gescheitert erklärt und Mitte vergangener Woche einen erneuten Streik beschlossen. Termin und Dauer hatte sich aber offen gelassen.

In dem Konflikt geht es vor allem darum, ob die GDL neben den Lokführern auch andere Berufsgruppen vertreten und für diese einen Tarifvertrag abschließen darf – dies lehnt die Deutsche Bahn ab. Berufsgruppen wie Zugbegleiter, Bordgastronomen und Disponenten werden bisher von der deutlich größeren Gewerkschaft EVG vertreten.

Die Bahn führt derzeit parallel Verhandlungen mit GDL und EVG. Beide Gewerkschaften wollen Tarifabschlüsse für alle ihre Mitglieder erreichen – die GDL also auch, trotz ihres historischen Namens, für die Zugbegleiter oder Disponenten, die bei ihr Mitglied sind. Die Bahn wiederum bekräftigte am Montag ihr Ziel, die Verhandlungen so zu führen, dass konkurrierende Abschlüsse für ein und dieselbe Berufsgruppe vermieden werden.

Die Auseinandersetzung war erstmals im Herbst eskaliert. Nach zwei Warnstreiks im September folgten auf Grundlage einer weiterhin gültigen Urabstimmung der GDL bis Anfang November vier längere Streiks. Es fiel jeweils ein Großteil des Zugverkehrs in ganz Deutschland aus. Zur Begründung für ihre jüngste Streikandrohung hatte die GDL der Bahn vorgeworfen, sie sei von ihrer Zusage aus dem Dezember abgerückt, dass die GDL eigenständig und unabhängig von der EVG verhandeln dürfe – die Bahn habe inhaltsgleiche Tarifabschlüsse mit beiden Gewerkschaften zur Bedingung gemacht.

Der Deutsche Beamtenbund (dbb), die Dachorganisation der GDL, zeigte sich erleichtert. "Jetzt kann endlich mit konstruktiven Verhandlungen über die materiellen Arbeitsbedingungen der GDL-Mitglieder begonnen werden", sagte der dbb-Vorsitzende Klaus Dauderstädt. Der Durchbruch ohne eine Schlichtung beweise, dass die Sozialpartner "aus eigener Kraft" eine Lösung finden könnten.

Die Deutsche Bahn hatte sich am Wochenende zu einer Schlichtung bereit erklärt, der GDL-Vorsitzende Claus Weselsky hatte aber noch am Montagvormittag im Fernsehsender Phoenix ein solches Verfahren abgelehnt: Es werde keine Schlichtung geben darüber, "ob wir verhandeln dürfen und darüber, ob wir Tarifverträge für unsere Mitglieder abschließen dürfen".