Der Deutschen Bahn drohen weitere Streiks, doch Zeitpunkt und Dauer sind weiterhin unklar. Einen Tag nach der Streikankündigung der Lokführer sagte GDL-Chef Claus Weselsky im ZDF lediglich, die Lokführergewerkschaft werde rechtzeitig informieren. "Rechtzeitig ist davon abhängig, wann man mit einem Streik beginnt und wie lange der Streik ist, damit sich die Menschen darauf einstellen können", sagte Weselsky. Die Frage, ob die Lokführer schon zum Wochenende die Arbeit niederlegen werden, ließ Weselsky offen.

Die Führungsgremien der Gewerkschaft GDL hatten am Mittwoch den mittlerweile siebten Arbeitskampf in der Auseinandersetzung mit der Deutschen Bahn AG beschlossen.

In der vergangenen Woche erklärte die Gewerkschaft die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn für gescheitert, weil der Konzern nach ihrer Darstellung erneut identische Tarifabschlüsse von GDL und der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zur Bedingung gemacht hatte. Die Lokführergewerkschaft dringt auf eigenständige Tarifverträge auch für jene GDL-Mitglieder, die nicht Lokführer sind. Dazu gehören vor allem Zugbegleiter und Lokrangierführer. Die Bahn lehnt dagegen unterschiedliche Tarifregelungen für ein und dieselbe Berufsgruppe ab. 

Weselsky verteidigte im ZDF erneut die Streikankündigung: "Wir haben die Entscheidung fällen müssen ..., weil wir in den Verhandlungen keinen Millimeter weiterkommen."

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) warnt vor massiven Schäden für die deutsche Wirtschaft. Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben sagte der Bild-Zeitung: "Ein längerer Bahnstreik kann sich als Bremse für die Konjunktur erweisen." Täglich würden eine Million Tonnen Güter per Bahn transportiert, mehr als sechs Millionen Berufspendler seien auf die Bahn angewiesen. "Transportausfälle, Lieferengpässe und Arbeitszeitverlust zusammengenommen, steht nach mehreren Streiktagen schnell eine halbe Milliarde Euro auf der Schadensrechnung für die deutsche Wirtschaft", rechnete Wansleben vor.

Der komplizierte Tarifkonflikt war erstmals im Herbst eskaliert. Nach zwei Warnstreiks im September folgten auf Grundlage einer weiterhin gültigen Urabstimmung bis Anfang November vier längere Streiks. Es fiel jeweils ein Großteil des Zugverkehrs in ganz Deutschland aus.