Der seit sieben Generationen gebaute Volkswagen Golf weist in seiner Klasse längst die Richtung. Er ist nicht nur das weltweit meistgebaute fünftürige Kompaktklassemodell aller Zeiten, sondern auch Maßstab seines Segments. Bis es soweit war, musste der Ur-Golf sich allerdings erst einmal durchsetzen. Vor 40 Jahren bedeutete das: den VW-Konzern aus seiner existenziellen Unternehmenskrise führen, die Folgen der ersten Ölkrise vergessen machen und mehr als 20 etablierte Modelle des Wettbewerbs auf die Plätze verweisen.

Tatsächlich fiel der neue VW in ersten Vergleichstests der Fachpresse eher durch Niederlagen oder Mittelmäßigkeit auf, anstatt die heute gewohnte Rolle zu besetzen. Der Golf konnte nicht einmal gegen den genauso konzipierten, aber eine Klasse kleineren Audi 50 (den Vater des VW Polo) einen Punktsieg landen. Stattdessen triumphierte der Audi dank einer ausgereift wirkenden Qualität.

Auch in anderen Vergleichstests musste sich der Käfer-Erbe etwa mit einem dritten Platz zufrieden geben, hinter dem siegreichen, aber korrosionsanfälligen Alfasud von Alfa Romeo, dem es aber ebenso wie dem bereits vier Jahre alten Citroën GS (Platz 2) an einer Heckklappe fehlte. Das Resultat hinderte den Golf aber ebenso wenig daran, bald zum Bestseller aufzusteigen, wie anfängliche Qualitätsdefizite.

Diese wurden zunächst durchaus kritisiert: In einer Befragung von mehreren Tausend Fahrern des frühen Golf im Jahr 1975 wünschte sich mehr als die Hälfte der Beteiligten eine bessere Verarbeitungsqualität des VW. Rund 75 Prozent dieser Golf-Käufer klagten über Klappergeräusche, und fast jeder Zweite musste seinen Golf außerplanmäßig in die Werkstatt bringen. Dennoch wollten nur sieben Prozent der Befragten künftig ein anderes Auto fahren.

Immerhin ermöglichte VW bei Mängeln leichter Abhilfe als viele Wettbewerber – nicht zuletzt dank des konkurrenzlos großen Service- und Vertriebsnetzes. Und die grundsätzlich positive Resonanz und kontinuierlich steigende Verkaufszahlen belegten, dass das Layout des Golf an sich richtig war. Der Kompakte überzeugte mit seiner gleichermaßen gefälligen wie unverwechselbaren Form, mit variablem Gepäckraum, großer Heckklappe,  Vorderradantrieb und raumsparendem Quermotor sogar die als konservativ geltenden Käfer-Fahrer. Die Verkaufszahlen des alten VW-Modells brachen schlagartig ein, womit nicht einmal Fachleute gerechnet hatten.

Allerdings hatte der neue Wolfsburger zu diesem Zeitpunkt bereits Feinschliff und Programmergänzungen erfahren. Auf der IAA 1975 debütierte der Golf GTI, 1976 folgte eine Variante mit Dieselmotor. Spätestens damit galt der Golf als Langstreckenläufer, der dem Käfer und dessen "und läuft und läuft und läuft"-Slogan in nichts nachstand.