Bis elektrisches Licht die Petroleumfunzel als Beleuchtung im Automobil endgültig ersetzt hatte, dauerte es fast sechs Jahrzehnte. Drei weitere benötigte die Halogenleuchte, die noch einmal 20 Jahre später zunächst in der Oberklasse vom Xenonlicht verdrängt wurde. Doch seit der Jahrtausendwende nimmt die Entwicklung der Scheinwerfer im Auto rasant an Fahrt auf.

Autohersteller liefern sich ein immer erbitterteres Rennen um das beste und hellste Scheinwerferlicht. Begonnen hat alles vor rund acht Jahren mit dem Duell zwischen Lexus und Audi um den ersten Einsatz von LED-Scheinwerfern. Seinen vorläufigen Höhepunkt erreichte der Wettstreit im vergangenen Jahr mit einem bizarren Ringen zwischen Audi und BMW um das Debüt des neuartigen Laserlichts.

Für den Innovationskampf gibt es zwei Gründe, die miteinander zusammenhängen. Zum einen sind Autos beim Antrieb so ähnlich geworden, dass Details an anderer Stelle für die Markenidentität wichtiger werden. Zum anderen geht es bei der Autobeleuchtung längst nicht mehr nur ums Sehen, sondern auch ums Gesehen werden. Spätestens seit BMW Anfang der 2000er Jahre den Schweinwerfern seiner Modelle die charakteristischen Korona-Ringe verpasst hat, fungiert Licht als Visitenkarte eines Autos. Gestaltete Tagfahrlichter machen Werbung im Rückspiegel des Vordermannes.

So viel besser ist Laser auch nicht

BMW und Audi sind es auch, die sich mit dem Laserlicht aktuell an die Spitze des Feldes setzen wollen. So knallig der Begriff und so fortschrittlich die Technik – der Nutzen ist eher begrenzt. Der Laser kann ausschließlich für ein besonders weit leuchtendes Fernlicht genutzt werden. Der Lichtkegel reicht 600 Meter, doppelt so weit wie die meisten konventionellen LED-Fernlichter. Vorteile bringt das naturgemäß nur auf entsprechend langen, geraden Strecken. Und auch nur auf leeren Autobahnen und Landstraßen. Denn um andere Verkehrsteilnehmer nicht zu blenden, wird der Laserkegel bei Gegenverkehr zur Seite geschwenkt oder ganz abgeschaltet.

Trotzdem werden für die Technik aktuell knapp fünfstellige Aufpreise fällig. Das scheint viel, vor allem, weil die modernsten LED-Scheinwerfer bei Fernlicht nicht viel schlechter sind. Die neuen adaptiven Leuchten, wie sie Audi unter dem Namen Matrix-LED oder Mercedes-Benz mit der Bezeichnung Multibeam anbietet, strahlen auch ohne Laser-Lichtquelle immerhin bis zu 500 Meter weit.

Zudem sind sie flexibler bei der Ausstrahlung der Straße. Für Helligkeit sorgen rund zwei Dutzend Leuchtdioden, die einzeln gesteuert werden und so den Lichtkegel an die gegebenen Verhältnisse anpassen. Im Ergebnis sind die Autos mit adaptivem Dauerfernlicht unterwegs: Bei Gegenverkehr oder vorausfahrenden Fahrzeugen werden einfach die entsprechenden LEDs ausgeknipst, um Blendung zu verhindern.

Die "intelligenten" LED-Scheinwerfer sind natürlich auch nicht ganz billig: Bei Mercedes etwa kostet die Multibeam-Technik knapp 1.900 Euro Aufpreis gegenüber den konventionellen LED-Leuchten. Dieses Licht ist daher aktuell noch Fahrzeugen der oberen Klassen vorbehalten. Doch schon Ende des Jahres will Opel als erster Volumenhersteller eine ähnliche Technik als Option im neuen Astra anbieten.