"Borgward ist ein schlummernder Image-Riese, aber diesen Giganten muss man richtig wecken", sagt Andreas Berse, Motorsport-Journalist, Chefredakteur des Magazins Modell Fahrzeug und ausgesprochener Borgward-Fan. Aufgewacht ist der "Image-Riese" nun zumindest, doch noch sieht er erst mal nur aus wie einst in den fünfziger Jahren. Zwar berief sich Christian Borgward auf dem Genfer Autosalon auf den Mythos der sportlich-eleganten Isabella, als er – der Enkel des 1963 verstorbenen Bremer Autobauers Carl F.W. Borgward – am Lac Léman nun das Comeback der Marke ankündigte. Aber vorzeigen konnte der 49-Jährige in Genf weder ein Concept Car noch konkrete Designentwürfe.

Auf dem Messestand hatte der Borgward-Enkel lediglich die Ikone Bremer Ingenieurskunst. Inspiriert durch das Beispiel seines Großvaters würde die neue Firma Borgward ähnlich elegante, luxuriöse, innovative und zuverlässige Autos bauen wie damals die Isabella – nun könnte endlich sein Kindheitstraum erfüllt werden, sagte Christian Borgward.

Kein Wunder, dass die neue Firma ein Isabella-Coupé nach Genf geschafft hat. Die war in der Wirtschaftswunderzeit eine Kampfansage an BMW, Mercedes, Opel und Ford, deren Modelle teurer, langsamer und nicht so luxuriös ausgestattet waren. Der Werbespruch von damals, "Groß wie ein Größerer, stark wie ein Stärkerer, schön wie ein Auto nur sein kann", war vielleicht etwas euphemistisch, aber nicht allzu weit von der Realität entfernt. Die Isabella fuhr nicht nur Mercedes 220, BMW 501 und Opel Kapitän davon, sondern war auch zuverlässig: Als Borgward allen Isabella-Fahrern eine goldene Taschenuhr versprach, die 100.000 Kilometer mit einem Motor gefahren waren, gab es bald Probleme, weil fast jede Isabella etwa 300.000 bis 400.000 Kilometer abspulte.

Mit Geld aus China

Doch wie viel Isabella steckt in den künftigen Borgwards des 21. Jahrhunderts? Die Frage lässt sich vorerst kaum beantworten. Das erste neue Modell – einen kompakten SUV – will das neue Unternehmen im Herbst auf der Frankfurter IAA vorstellen. Danach sollen in den nächsten Jahren regelmäßig weitere Modelle folgen. Wie das neue Borgward-Modell heißen soll, bleibt ebenso offen wie alle technischen Details zu verfügbaren Motorvarianten oder zum Preis. Etwas großspurig verkündet man jedoch Produktionszahlen, die um 800.000 pro Jahr liegen sollen.

Soviel ist immerhin klar: Das Firmenzentrum mit Abteilungen für Design, Marketing, Forschung und Verkauf wird in Stuttgart angesiedelt – nicht überraschend, schließlich finden sich im mittleren Neckarraum eine ganze Reihe großer Automobilzulieferer. Borgwards Finanzier sitzt in China: Es ist der Fahrzeughersteller Beiqi Foton, der etwa im vergangenen November das SUV Toplander vorgestellt hat, das ähnlich dimensioniert ist wie der Toyota Land Cruiser. Eine abgespeckte Version soll dann wohl im Herbst als erster Borgward in Frankfurt gezeigt werden. Später sollen fast alle Segmente, vom Kompaktwagen bis zur großen Limousine, bedient werden.

Die Ankündigung stieß auch auf Misstrauen. Die Zeitschrift Auto Motor und Sport befand sofort: "Das wird nichts". Doch Skeptiker, die das Comeback-Projekt von vornherein als hoffnungslosen Versuch verwerfen, sollten erst mal abwarten. Der chinesische Konzern im Hintergrund hätte das Potenzial, so ein Vehikel zu bauen. Beiqi Foton hat in China 20 Werke, in denen Kleintransporter, Busse und SUV gebaut werden – insgesamt eine Million jährlich. Und der Automanager Karlheinz Knöss hat genügend Höhen und Tiefen erlebt, um seine Erfahrungen und Lernprozesse erfolgreich bei Borgward als faktischer Chef einzubringen. Knöss war einst bei Saab, GM und bei der Nutzfahrzeugsparte von DaimlerChrysler tätig. Nun arbeitet Knöss seit 2005 gemeinsam mit dem Borgward-Enkel am Comeback der Kultmarke.