Der Fernbus lässt die Bahn alt aussehen

"Tach, Dieter spricht hier. Schön, dass Sie heute mit mir nach Berlin fahren. (...) Wenn Sie irgendetwas brauchen, Snacks, Getränke, eine Schulter zum Ausweinen: ich sitze die meiste Zeit ganz vorne links." Die Fahrgäste lachen. Dann rufen wir dem Busfahrer unsere Temperaturwünsche zu.

Ich klappe den Sitz nach hinten, und den Fußraster nach oben. Beine ausstrecken – das geht im Fernbus auch mit 1,80 Meter Körpergröße. Die Sitze sind überraschend bequem, nicht zu vergleichen mit denen in Linienbussen, schon eher mit jenen im Flugzeug. Ich ziehe die Schuhe aus und packe meinen Laptop auf den Schoß. Mein Handy lädt an der Steckdose. "Wow, sogar WLAN haben sie." Nach der Einwahl werde ich in die Mediathek weitergeleitet, in der mich eine Fülle aktueller Hollywood-Streifen erwartet. Doch nach rund 30 Minuten bricht die Verbindung ab, der Film ruckelt. Mal funktioniert das Internet. Mal nicht. Das hat der Fernbus mit der Bahn gemein.

Ansonsten gibt es nur wenige Ähnlichkeiten. Es gibt keine Sitzplatzreservierung, Tickets können nur online gebucht werden und kein Fahrkartenkontrolleur weckt einen auf, dafür gibt es einen Assistenten, der Koffer be- und entlädt. Das Raumgefühl ist im engen Bus schlechter, dafür ist die Fahrt ruhiger als im Zug; ich schlafe gut. Nach rund vier Stunden ist es Zeit für einen Stopp an der Raststätte: Füße vertreten, Snacks einkaufen oder rauchen – die 20 bis 40 Minuten Pause empfand ich bisher immer als wohltuend, nicht als lästig.

Ich war jahrelang leidenschaftlicher Bahnfahrer, aber das Angebot der Fernbusse ist einfach attraktiver. Die leichten Abstriche in der Leistung (der Fernbus von München nach Berlin braucht eine Stunde länger als die Bahn) stehen in keinem Verhältnis zum Preis. Und selbst wenn es einmal schneller gehen muss, ist Reisen mit der Bahn für mich keine wirkliche Alternative mehr. Bevor ich viel Geld für eine lange Zugfahrt ausgebe, fliege ich lieber low-cost – das kostet bei Buchung zwei Wochen im Voraus fast gleich viel. Christoph Schattleitner

Und ewig zuckelt der Fernbus

Meine erste und einzige Erfahrung mit einem Fernbus habe ich vor knapp einem Jahr gemacht. Statt mit dem ICE in anderthalb Stunden von Berlin nach Hamburg zu fahren, nutzte ich aus reiner Neugier einen der großen Fernbusanbieter. Am Ende hat die Fahrt sagenhafte sechs Stunden gedauert. Auch bei der Deutschen Bahn kommt es öfter mal zu Verspätungen, allerdings selten auf viel befahrenen Kurzstrecken wie zwischen Berlin und Hamburg.

Gespart habe ich gegenüber dem Bahnpreis mit der Bahncard 50 auch nur wenig. Weil ich das Busticket recht spät gebucht habe, gab es kaum noch ein günstiges Angebot. Ärgerlich! Die Zugfahrkarte hätte ich noch kurz vor Abreise kaufen können. Und statt von Berlin-Mitte binnen weniger Minuten einfach zum Hauptbahnhof zu fahren, musste ich mich erst einmal eine Stunde lang mit dem Berliner Nahverkehr zuckeln und mehrmals umsteigen, um den Busbahnhof zu erreichen. Dafür entschädigten die wirklich sehr bequemen Sitze im Bus.

Das WLAN funktionierte hingegen nicht. Und die Toilette konnte auch nicht benutzt werden. Statt der versprochenen Getränke und Snacks gab es nur mitgebrachte Speisen, die die Mitfahrenden miteinander teilten. Auf der Rückfahrt, die ich einige Tage später antrat, kam es ebenfalls zu einer erheblichen Verspätung. Diesmal waren wir statt drei immerhin nur fünf Stunden unterwegs. Seither fahre ich wieder Bahn. Tina Groll