Die Bemühungen der Düsseldorfer Ermittler im Fall des Germanwings-Absturzes drehen sich um ein zerrissenes Stück Papier. Die Staatsanwaltschaft hatte es bei ihrer Durchsuchung der Wohnung des Copiloten von Flug 4U9525 am Donnerstag gefunden. Darauf soll eine Krankschreibung zu lesen gewesen sein, die auch für den Tag des Absturzes galt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Düsseldorf deuten beschlagnahmte Unterlagen darauf hin, dass Andreas Lubitz seine Erkrankung seinem Arbeitgeber und den Kollegen verschwiegen habe. Am Dienstag soll er sich und 149 weitere Menschen absichtlich in den Tod gesteuert haben.

Unklar ist, ob seine Krankheit körperlicher oder psychischer Natur war. Das Universitätsklinikum in Düsseldorf bestätigte, dass der 27-Jährige in den vergangenen zwei Monaten dort in Behandlung war, das Krankenhaus dementierte aber, dass Lubitz dort wegen Depressionen behandelt wurde.

Wie kam es dazu, dass er trotzdem ins Cockpit steigen konnte? Müssen sich die Piloten nicht rigorosen Tests aussetzen? Hätte eine Erkrankung bemerkt werden können?

Bei der Auswahl von Bewerbern – sei es für eine Pilotenausbildung, sei es von fertig ausgebildeten Flugzeugführern – lässt die Lufthansa beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in einem zweistufigen Verfahren alle Kandidaten prüfen. Neben dem Fachwissen wird auch untersucht, ob der Kandidat körperlich wie psychisch stabil ist. 90 bis 95 Prozent der Kandidaten fallen in dem Verfahren durch, der Druck ist enorm.

Flugmediziner prüfen die Tauglichkeit

Laut Lufthansa hat auch Lubitz die psychologischen Eignungstests durchlaufen und erfolgreich absolviert. Er wurde anschließend an der Verkehrsflieger-Schule der Lufthansa in Bremen ausgebildet. Ein Teil der Praxisausbildung findet dabei im US-Bundesstaat Arizona statt. Dort stellte die US-Luftfahrtbehörde FAA dem jungen Mann ein Flugtauglichkeitszertifikat der Klasse drei aus. Dafür müssen bei ihm auch psychische Probleme wie Psychosen, bipolare und Persönlichkeitsstörungen ausgeschlossen werden. Die Bescheinigung bedeutet auch, dass er nach Ansicht der FAA an keiner Krankheit litt, die ihn darin gehindert hätte, Aufgaben und Pflichten eines Piloten sicher zu erfüllen.

Zwar unterbrach Lubitz laut Lufthansa die Ausbildung 2008. Er sei aber erneut erfolgreich getestet worden, ehe er das Flugtraining fortsetzte. Ehe ein Absolvent aber ins Cockpit eines Verkehrsflugzeug darf, muss er eine Berufspilotenlizenz erhalten, die in Deutschland das Luftfahrtbundesamt (LBA) ausstellt. "Die Beurteilung der flugmedizinischen Tauglichkeit von Piloten liegt nicht bei der jeweiligen Fluggesellschaft, sondern beim LBA", sagte ein Lufthansa-Sprecher der Rheinischen Post.

Die Behörde, die dem Bundesverkehrsministerium unterstellt ist, untersucht dabei die Piloten nicht selbst, wie LBA-Sprecher Holger Kasperski erläutert. Die zugelassenen flugmedizinischen Zentren (AMC) oder auch zugelassene Flugmediziner untersuchen demnach, ob der Pilot aus medizinischer Sicht flugtauglich ist. Das wird dann in die Luftfahrer-Eignungsdatei eingetragen. Mehr nicht. Medizinische Akten und weitere Informationen unterliegen der ärztlichen Schweigepflicht. Wer als tauglich eingestuft wird und alle weiteren Anforderungen erfüllt, an den vergibt das LBA dann auch die Fluglizenz.