Für 2.500 Euro hat Dirk Michael Langfeld eine zwölf Jahre alte Mercedes E-Klasse auf Flüssiggasbetrieb umrüsten lassen. 230.000 Kilometer Laufleistung hatte der Wagen, als der Taxifahrer ihn 2012 kaufte. Inzwischen hat der Benz 365.000 Kilometer auf dem Tacho, und Langfeld freut sich bei jedem Tankvorgang darüber, dass er mit dem billigen LPG (Liquefied Petroleum Gas), auch Autogas genannt, so viel gespart hat und der Betrieb reibungslos funktioniert.

Die Umrüstungskosten hatten sich schon nach 30.000 Kilometern amortisiert, die er in einem halben Jahr abspulte. "Für mich ist der Gasbetrieb eine Art Sparbüchse, vor allem bei rund 55.000 Kilometern jährlicher Laufleistung", sagt Langfeld. "Bei 60 Cent pro Liter Flüssiggas und rund 1,40 Euro für den Liter Super ist das Gas ja mehr als halb so billig und ich spare bei jedem Tanken etwa 43 Euro." Obendrein sei der Gasbetrieb auch umweltfreundlicher, weil rund 15 Prozent weniger CO2 als beim Benzinbetrieb und bis zu 80 Prozent weniger Schadstoffe produziert würden.

Der LPG-Tank wird in der Reserveradmulde eingebaut, der Benzintank bleibt unangetastet. Bei Erdgas (CNG) ist der Umbau aufwendiger, weil der hohe Druck von 200 bar dickwändige Unterbodentanks erfordert, deren Einbau bis zu 5.000 Euro kostet. Im Fahrzeug sieht Langfeld auf zwei Tankanzeigen, ob eine Fahrt an die LPG- oder Benzinzapfsäule nötig wird. Das teure Superbenzin wird nur für den Startvorgang benötigt, die Fahrstrecken absolviert Langfeld mit LPG, weil der Spareffekt sonst verpufft.

Das bivalente Auto bietet ihm zudem einen willkommenen Range Extender, der die Reichweite verdoppelt: Im Gasbetrieb kann er rund 400 Kilometer mit einer Tankfüllung fahren, für weitere 400 Kilometer reicht auch der volle Benzintank, auf den automatisch umgeschaltet wird, wenn der Gastank leer ist.

98 Prozent der Autos fahren mit Benzin und Diesel

Für Manfred Hoffmann – den Chef des Autogas-Umrüstungsspezialisten Pink Tank in Hamburg, wo Langfeld sein Taxi umbauen ließ – steht fest: "Wer nicht auf Flüssiggas umrüstet, ist einfach dämlich, weil er seine Spritkosten halbieren könnte." Möglich macht das Sparen das Energiesteuergesetz: Es legt noch bis Ende 2018 einen verminderten Steuersatz für LPG und CNG fest, danach wird es wohl leicht modifiziert.

Da müssten Sparfüchse eigentlich Schlange stehen, um ihr Auto auf LPG umzurüsten oder gleich ein ab Werk gebautes Fahrzeug mit Gasbetrieb zu kaufen. Doch das ist nicht der Fall: Bei den Herstellern hält sich die Nachfrage in Grenzen, und auch Hoffmann ertrinkt nicht in Aufträgen. "Als der Benzinpreis noch bei 1,70 Euro lag, hatten wir Wartezeiten von über drei Monaten für das Umrüsten auf LPG-Betrieb", sagt der Pink-Tank-Chef. Jetzt sei das Interesse an LPG-Umrüstungen jedoch gering.

Die schwache Nachfrage zeigt sich auch in den offiziellen Zulassungszahlen. Laut dem Kraftfahrtbundesamt wurden Anfang 2015 von den 44,4 Millionen Pkw in Deutschland 67,2 Prozent mit Benzin, 31,2 Prozent mit Diesel und nur 1,1 Prozent mit Flüssiggas betrieben; der Erdgasantrieb kommt sogar auf nur 0,18 Prozent Marktanteil. Warum kommen die Gasautos nicht aus ihrer Exoten-Nische?

Es sind wohl mehrere Aspekte, die den Umstieg nicht allzu verlockend machen. Das Hantieren mit einem Adapter beim Tankvorgang finden viele Autofahrer lästig. Der Grund ist simpel: Es gibt für LPG in Europa keine einheitliche Füllpistole, sondern verschiedene Anschlüsse. In Deutschland ist der ACME-Anschluss gebräuchlich, aber schon im Nachbarland Niederlande und teils in Frankreich haben die Zapfsäulen das Bajonette-System. In Italien und anderen südlichen Ländern wiederum ist der Dish-Anschluss üblich. Für die Fahrt im Ausland muss man also auch einen Adapter auf die Urlaubsliste schreiben.