Wer hätte das gedacht: Jahrelang haben Hersteller von Elektroautos mit ihrer Umweltfreundlichkeit geworben, verkauft haben sich die Wagen bis jetzt aber nicht wie erhofft. Zu lang hängen sie an der Steckdose, zu wenig leistungsfähig sind sie, lautet die häufigste Kritik. Und jetzt hat der japanische Autobauer Toyota seit kaum einem halben Jahr das erste in Serie produzierte Auto, das mit Strom aus Wasserstoff fährt, auf dem Markt – und kommt mit der Produktion nicht hinterher. Für den Mirai – Japanisch für Zukunft – gingen in Japan innerhalb eines Monats 1.500 Bestellungen ein. Für das ganze erste Jahr hatte Toyota nur mit 400 Einheiten kalkuliert.

Schnellstmöglich will der Hersteller nun die Produktion ausweiten: 700 Einheiten für 2015, 2.000 im kommenden Jahr, ab 2016 dann 3.000 Stück. Toyota ist überrascht, sieht sich aber auch bestätigt. Schließlich bezeichnet das Unternehmen das Auto als den Beginn "einer neuen Ära der Mobilität". Ein Auto eben, das ohne fossile Brennstoffe fährt, also nicht mehr die Umwelt verschmutzt. "Wir müssen in die nächsten 100 Jahre denken", sagt Toyotas Chefingenieur Yoshikazu Tanaka, "und dabei hilft uns dieser Wagen."

Zwar experimentierten schon in den 1990er Jahren Autohersteller wie Mercedes-Benz, Peugeot oder Fiat mit Brennstoffzellen, in denen Wasserstoff aus dem Fahrzeugtank mit Sauerstoff reagiert – dabei wird Energie frei, die in Strom umgewandelt wird. Dieser wiederum treibt den Elektromotor im Wagen an. Doch marktfähig war dies damals alles nicht. Auch jetzt ist Toyota nicht der einzige Hersteller, der am Brennstoffzellenantrieb arbeitet. Zwischen 2016 und 2017 wollen einige ihre eigenen Modelle auf den Markt bringen, etwa Mercedes-Benz. Doch mit seiner schon angelaufenen Serienproduktion ist Toyota einen Schritt voraus.

Mitte Dezember 2014 kam der Mirai in Japan auf den Markt, Europa soll das Auto im September 2015 erreichen. Der für Deutschland geplante Kaufpreis von rund 78.540 Euro ist beträchtlich, zumal es Toyota über die vergangenen Jahrzehnte vor allem deshalb zum größten Autobauer der Welt schaffte, weil es passable Modelle preisgünstiger als die Konkurrenz anbot. In Japan liegt der Preis für den Mirai zwar etwas niedriger, ein Luxusprodukt ist er dennoch.

Darum ist der Absatz auf dem Heimatmarkt ein großer Erfolg für Toyota. Wie erklärt er sich? Zum einen überzeugt das Fahrzeug. Immerhin rund 500 Kilometer weit soll der Mirai mit einer Tankfüllung Wasserstoff kommen. Das Volltanken dauert laut Hersteller drei Minuten, wodurch der Wagen mit herkömmlichen Modellen durchaus mithalten kann. Auch die Leistung von 113 kW (154 PS) und die Höchstgeschwindigkeit von 178 km/h sind respektabel. Diverse Kritiker haben das Modell schon gelobt, nicht selten mit verdutzten Bewertungen wie "es fährt sich wie ein richtiges Auto".

Doch bislang besteht für Mirai-Fahrer in Japan wie überall sonst das Problem, dass es kaum Zapfsäulen mit Wasserstoff gibt. In Deutschland sollen es derzeit rund 20 Stück sein, bis 2016 soll die Zahl auf rund 50 ansteigen und sich danach weiter vervielfachen. Im Herkunftsland des Mirai sieht die Lage ähnlich aus: Landesweit sind es um die 40 Stationen. Allerdings plant der Multikonzern JX Holdings bis 2020, wenn in Tokio die Olympischen Sommerspiele steigen, 2.000 neue Stationen zu bauen. Dabei wird betont, dass diese auch in die Provinz kommen, und nicht nur in Großstädten.

Zudem hat die Regierung sich dem Aufbau eines Netzes verschrieben. Bereits im vergangenen Jahr machte sich Premierminister Shinzo Abe für die Errichtung von über 100 Wasserstofftankstellen in der Präfektur Fukuoka stark; die Koordination hat eine Subbehörde übernommen, die New Energy and Industrial Technology Development Organization (Nedo). Die Zukunft ist also vielversprechend. Aber noch einige Jahre wird das Tankstellennetz nicht annähernd so weit ausgebaut sein, dass sich davon abhängige Autos wie der Mirai auch jenseits eines Kreises von Liebhabern verkaufen könnten.