In der zweiten Phase wird die App allen zugänglich gemacht. Die Nutzer profitieren aber nicht nur von den bereits gesammelten Informationen, sondern helfen mit ihren Daten ständig mit, die App in Echtzeit zu verbessern. Ein Beispiel: Ein Fahrgast steigt an der Haltestelle A in den Bus. Das erfasst die App und kann so anderen Fahrgästen, die an den Haltestellen B und C warten, mitteilen, dass bald ein Bus kommt.

Die Anwendung soll aber auch qualitative Daten erheben. Teilt ein Nutzer Allryder zum Beispiel mit, dass sein Bus voll ist oder im Stau steht, empfiehlt die App einem anderen Nutzer, vielleicht doch erst den nächsten Bus oder ein ganz anderes Verkehrsmittel zu nehmen.

Die längerfristige Vision dahinter ist auch, zuverlässige Statistiken über das Mobilitätsverhalten der Menschen in Megastädten zu generieren: Wann steigen wo wie viele Menschen ein und aus? Wo kommt es zu Überlastungen? "Mit unseren Datensätzen könnte man herausfinden, welche Fahrpläne und Haltestelle Sinn ergeben und so den ganzen Nahverkehr optimieren", sagt Nohroudi. Für diese Phase reichten dann schon 20.000 Nutzer aus, um die App effektiv zu machen – egal wie groß die Stadt ist.

Zweifel am Nutzen für die breite Masse

Der Allryder-Chef hofft darum auch auf Kooperationen mit der jeweiligen Stadtverwaltung: "Unsere Daten sind für die Städte sehr wertvoll." Geld verdienen will Allryder aber nicht nur durch den Verkauf ihrer Statistiken an die Städte (die App soll umsonst sein), sondern auch über Werbepartner. Beispielsweise Restaurantketten, deren Filialen dann in den Allryder-Karten angezeigt würden. Nohroudi kann sich auch gut vorstellen, Nahverkehrstickets über die App zu verkaufen.

Voraussetzung für die Nutzung der App ist natürlich, ein Smartphone zu besitzen. Laut Nohroudi kein Problem: "Dass in solchen Ländern nur wenige Menschen Zugang zu dieser Technologie haben, ist ein europäischer Trugschluss", sagt er. Gustavo Jiménez von Embarq ist da skeptischer: "Eine solche App klingt toll. Momentan würde sie aber nur ganz wenige erreichen, nämlich Touristen und Besserverdiener." Gerade Letztere benutzten aber kaum öffentliche Verkehrsmittel, sagt Jiménez.

Der Mexikaner ist überzeugt, dass letztlich nur ein Paket aus verschiedenen Ansätzen den Megastädten aus ihrem Verkehrsdilemma helfen kann. Digitale Angebote und Crowdsourcing sieht er da durchaus als Teil der Lösung – wenn nicht jetzt, so zumindest in der Zukunft.