Teurer, aber effizienter – was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, soll die Lösung für Deutschlands Investitionslücke sein. Die Idee: Die Finanzwirtschaft steigt in die Finanzierung ein. Dann könnten die Projekte zwar mehr Geld kosten als wenn der Staat sie finanziere, weil man schließlich eine Risikoprämie verlange, räumt Jürgen Fitschen, Co-Chef der Deutschen Bank, ein. "Aber die Frage ist doch: Ist das falsch?"

Fitschens Argument: Dann werde endlich die lange Liste ausstehender Vorhaben abgearbeitet. Marode Brücken würden saniert, Autobahnen ausgebaut, Schulen renoviert. Man rede viel zu wenig über den Nutzen, der durch das Engagement von Banken und Versicherungen entstehe, findet der Chef von Deutschlands größtem Finanzinstitut.

Ein halbes Jahr lang hat Fitschen zusammen mit 20 weiteren Fachleuten aus Wirtschaft, Wissenschaft und von den Gewerkschaften über Infrastrukturfinanzierung beraten. Kommende Woche Dienstag will das Gremium unter der Leitung von Marcel Fratzscher, dem Präsidenten des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), seinen Abschlussbericht Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) überreichen. Bereits am Montag haben Fratzscher, Fitschen und der Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes, Reiner Hoffmann, in Berlin die wichtigsten Punkte vorgestellt. Ihre Präsentation zeigt: Das Thema birgt immensen Zündstoff.

Das zeigt sich allein darin, dass zwar alle Beteiligten sich einig sind, dass es eine große Investitionsschwäche in Deutschland gebe. Fratzscher beziffert den Nachholbedarf bei Investitionen – den Großteil davon im privaten Sektor – auf rund 90 Milliarden Euro; erst dann würde Deutschland sein selbstgestecktes Ziel, drei Prozent seiner Wirtschaftsleistung zu investieren, auch erreichen. Doch was sind die Ursachen dafür? Schon hier scheiden sich die Geister.

"Die Diskussionen waren sehr lebhaft", sagt Fratzscher. So kontrovers wurde offenbar gestritten, dass sich am Ende die Gewerkschaften genötigt sahen, das Abschlussdokument um ein eigenes Kapitel mit ihren abweichenden Positionen zu ergänzen. Ist die Leidenschaft des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble, endlich die schwarze Null zu erreichen, schuld daran, dass zu wenig investiert wird? Das glauben zumindest die Gewerkschaften.

Oder liegt es am Widerstand der Politik, mehr öffentlich-private Partnerschaften (ÖPP) einzugehen? Das glauben Vertreter der Banken und Versicherungen. Sie haben ein großes Interesse daran, in die Infrastrukturfinanzierung einzusteigen. Schließlich sind sie in Zeiten niedriger Zinsen verzweifelt auf der Suche nach langfristigen, stabilen Investmentmöglichkeiten – am liebsten in Form von ÖPP. Das beobachten wiederum die Gewerkschaften skeptisch: "Man darf die Finanznot der Kommunen nicht zum Renditeobjekt der Finanzmärkte machen", warnt DGB-Chef Reiner Hoffmann.