Der Mustang ist eine fahrende Legende. Seit 1964 baut Ford den Sportwagen. Mehr als 9,3 Millionen Exemplare wurden verkauft, fünf Generationen aufgelegt. Seit vorigem Jahr ist in den USA die sechste Auflage auf dem Markt. Ab jetzt ist sie auch in Deutschland erhältlich – und erstmals wird der Mustang hierzulande nicht über Importeure, sondern offiziell über zurzeit knapp 50 Händler angeboten.

Zur Legende wurde der Mustang vor allem, weil er zum einen das erste amerikanische Pony Car war – darunter verstand man ab den 1960er Jahren relativ kleine Coupés oder Cabrios mit starken Motoren – und zum anderen das einzige Pony-Car-Modell, das bis heute durchgehend gebaut wird. Auch der Mustang des Jahres 2015 steht optisch den Vorgängern nahe: Haifischmaul, großer Grill, lange Motorhaube, dreigeteilte Rückleuchten – die klassischen Merkmale sind alle da, nur eben neu und modern interpretiert.

Allerdings zollten die Entwickler bei der sechsten Generation so deutlich wie nie den Anforderungen der modernen Zeit Tribut. Das Basismodell enthält nun einen 2,3 Liter großen Ecoboost-Benzinmotor mit vier Zylindern. Zudem verfügt der neue Mustang erstmals hinten über eine Einzelradaufhängung statt einer Starrachse.

Blubbern kann nur ein V8

Puristen mag die Ankunft des 4,78 Meter langen Zweitürers in der modernen Autowelt schrecken. Wer die Veränderungen nüchtern betrachtet, wird sie aber eher loben. Klar: In den USA ist ein Vierzylinder für ein solches Auto fast ein Sakrileg. Doch der moderne Turbomotor macht seine Sache gut. Er klingt zwar bei starker Beschleunigung etwas angestrengt, tatsächlich reichen seine 233 kW (317 PS) aber immer aus. Er liefert auch bei niedrigen Drehzahlen reichlich Drehmoment und erfüllt somit eine wichtige Anforderung: Man kann mit ihm schaltfaul cruisen. Mit einem ordentlichen Gasfuß zeigt sich der Mustang auch sportlich.

Aber zugegeben: Der "richtige" Mustang hat natürlich den V8 unter der Haube. Und Ford Deutschland rechnet auch damit, dass sich selbst hierzulande zwei Drittel der Käufer für die klassische Motorisierung entscheiden werden. Man kann die lineare Leistungsentfaltung eines Saugmotors mit 310 kW (421 PS) ja auch nicht mit der eines schnöden Turbomotors vergleichen. Blubbern kann eben nur ein V8.

Was die Kosten angeht, dürften die 5.000 Euro Aufpreis zum Ecoboost-Motor kaum ein Problem sein. Eher schon die regelmäßigen Tankrechnungen, denn während man den "kleinen" Benziner in der Praxis problemlos mit weniger als zehn Litern Verbrauch pro 100 Kilometer bewegen kann, wird es mit dem V8 kaum möglich sein, unter 15 Litern zu bleiben.

Der neue Mustang hat nicht nur erwartungsgemäß Power, sondern überzeugt auch durch eher europäische Fahreigenschaften. Kurven nimmt er durchaus zackig. Das neue Fahrwerk mit Einzelradaufhängung ist ein Riesenfortschritt und bietet guten Komfort; die Bremsen packen energisch zu und lassen sich exakt dosieren. Die Lenkung allerdings sollte man ausschließlich im Sport-Modus belassen, nur dann erhält der Fahrer anständig Rückmeldung.