3.340 Menschen kamen in Deutschland 2013 bei Verkehrsunfällen ums Leben – 336 tödliche Unfälle gingen nach diesen jüngsten Zahlen des Statistischen Bundesamts auf Alkoholkonsum eines Fahrers zurück. Das heißt, rund jeder Zehnte starb bei einem Alkoholunfall. 71 Prozent der alkoholisierten Verkehrsteilnehmer hatten mehr als 1,1 Promille Alkohol im Blut. Das ist der von Medizinern festgelegte Grenzwert für absolute Fahruntüchtigkeit. Außerdem wurde von 50.000 Autofahrern der Führerschein wegen Alkoholmissbrauchs eingezogen.

Kein Wunder also, dass Verkehrsexperten, Psychologen und Politiker Strategien überlegen, um Alkoholdelikte im Straßenverkehr wirkungsvoller zu bekämpfen und mit präventiven Maßnahmen dafür zu sorgen, dass sich alkoholisierte Fahrer  gar nicht ans Steuer setzen können. Dafür scheint das sogenannte Alcolock das ideale System zu sein: Der Fahrer pustet vor Fahrtantritt in das Gerät, das beim Überschreiten eines vorher eingestellten Promille-Grenzwertes die Zündung blockiert. Eine Fahrt unter Alkoholeinfluss wird somit verhindert.

In Schweden, dem Alcolock-Pionier in Europa, liefen schon zwischen 1999 und 2002 Versuchsprogramme in 300 Bussen und Lkw, die mit solchen Zündschlosssperren ausgerüstet waren. Das Resultat war so überzeugend, dass sich eine Spedition entschloss, alle ihre 4.000 Lkw mit dem System auszurüsten. Inzwischen haben in Schweden rund 10.000 Firmenwagen Alcolocks, die schwedische Fahrschulvereinigung hat diese Geräte in ihre 800 Autos eingebaut. Heute sind 80.000 Alcolocks in schwedischen Fahrzeugen im Einsatz.

Früher konnten diese Sperren überlistet werden oder sie waren fehlerhaft und ungenau, etwa indem sie Zigarettenrauch, Bonbonzuckerreste oder Limonaden-Aroma als Alkohol registrierten und die Zündung blockierten. Das empörte in Schweden 2011 die Teilnehmer von Reha-Gruppen für alkoholisierte Wiederholungstäter, weil ihre von den Behörden ausgelesenen Daten zu Bestrafungen und zum Führerscheinverlust führten.

Finnland meldet Erfolg mit Alcolock

Mittlerweile sind die Geräte aber so perfektioniert, dass sie keine Falschmeldungen mehr liefern und man sie weder durch das Beatmen mit Luftpumpen noch mit anderen Tricks manipulieren kann. Vielleicht lassen sie sich durch einen pustenden Beifahrer austricksen, aber erstens verlangt das System in unregelmäßigen Intervallen neue Zwischenkontrollen, und zweitens: Welcher nüchterne Beifahrer lässt sich schon freiwillig von einem alkoholisierten Chauffeur am Steuer fahren?

In den USA sind Alcolocks seit 1986 in Kalifornien im Gebrauch. Dort ordnen Richter den Einbau der Geräte an, wenn Wiederholungstäter sich alkoholisiert ans Steuer setzen. Verweigern sich diese den Einsatz der Alkoholsperren, verlieren sie ihren Führerschein.

In der Praxis wird der Fahrer in unregelmäßigen Abständen auch während der Fahrt zur Nachkontrolle aufgefordert. Er hat dann einige Minuten Zeit, um anzuhalten und den Kontrollvorgang zu absolvieren. Meistens gewähren die Geräte dem Fahrer eine halbe Stunde Kulanzzeit nach einem Stopp, bevor eine neue Kontrolle durchgeführt wird. Inzwischen können die Geräte auch per Ferndiagnose ausgelesen werden. Rund 300.000 Geräte sind in den USA im Einsatz.

Doch wie messbar ist die Wirkung von Alcolocks? Zahlen aus Österreich zeigen, was erreichbar wäre: Dort werden jährlich 26.000 Führerscheine wegen Alkohols am Steuer eingezogen, wie das Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) meldet. 7.000 Menschen fahren demnach ohne Fahrerlaubnis weiter, 4.000 davon alkoholisiert. So viele Fahrten wären also mit einer Wegfahrsperre vermeidbar. In Finnland, wo sich seit Mitte 2008 erwischte Alkoholsünder für ein Alcolock entscheiden können, um vorzeitig den Führerschein zurückzubekommen, kam eine Studie zu dem Schluss, dass in den ersten fünf Jahren der Regelung mindestens 12.000 Alkoholfahrten verhindert wurden.