So schnell kann es gehen. Vor 15 Jahren war Suzuki bei Motorrädern Marktführer in Deutschland. Jede fünfte verkaufte Maschine war damals eine Suzi. Der Bestseller unter den Bikes war zwar die BMW R 1150 GS, doch der folgten mit der 600 Bandit und der SV 650 gleich zwei Suzukis. Die Manager des Unternehmens konnten sich zufrieden in ihre Ledersessel zurücklehnen, ihren Erfolg genießen. Doch sie erstarrten offensichtlich in dieser entspannten Haltung. Im Laufe der Jahre wurde Suzuki im Ranking der Motorradhersteller durchgereicht und landete 2014 auf Platz acht. Der Marktanteil schrumpfte laut Industrie-Verband Motorrad auf bescheidene fünf Prozent.

Bandit und SV waren der letzten Hits, die Suzuki landete. Jetzt will der Motorradbauer Marktanteile zurückerobern. Das soll mit der GSX-S1000 gelingen, im aufsteigenden Segment der Klassik-Bikes – aber auf Basis des erfolgreichsten Suzuki-Modells, der GSX-R. Denn im Jahr 2000 waren zwar Supersportler und Tourer am häufigsten auf den Straßen zu sehen, es war die Zeit des sportlichen und touristischen Motorradfahrens. Heute jedoch dominieren die Klassik-Bikes mit fast 30 Prozent Marktanteil.

Das Konzept dieses Modellbaus ist einfach: Vollverkleidete Superbikes werden ausgezogen, den starken Motoren die Spitzenleistung gekappt, ein hoher und breiter Lenker angeschraubt – fertig ist das Klassik-Bike. Moderne Vertreter der Gattung sind rund 200 Kilogramm leicht und haben ordentlich Dampf. Solche Fahrzeuge wurden im vergangenen Jahr beispielsweise von BMW, Ducati und KTM auf den Markt gebracht. Diese europäischen Modelle bieten üppige Elektronik an.

Man sitzt in der Maschine

Die Suzuki ist dagegen spartanisch mit elektronischen Helferlein ausgerüstet, die das Fahren sicherer und komfortabler machen sollen. Ride-by-Wire (E-Gas), Motormapping, semiaktives Fahrwerk: Das alles gibt es bei der Suzi nicht. ABS und eine Traktionskontrolle sind die einzigen Helfer beim Fahren. Aber gerade das macht die GSX-S1000 so interessant: Auf dieser Maschine wird man nicht elektronisch chauffiert, die muss man noch selbst fahren! Und das macht richtig Spaß.

Optisch ähnelt die GSX-S1000 einem kauernden Raubtier. Muskulös und bereit zum Sprung. Die unter dem Scheinwerfer platzierten LED-Positionslichter sind wie die Raubzähne einer Bestie geformt. Die Sitzposition ist niedrig, man sitzt im Fahrzeug, aufrecht, die Beine angenehm angewinkelt. Und fühlt sich auf Anhieb wohl. Der breite Lenker liegt gut in der Hand. Also den Schlüssel rein und die Zündung eingeschaltet. Dann genügt ein kurzer Druck auf den Anlasserknopf – die Elektronik erkennt das Signal und schaltet daraufhin den Anlassermotor bis zum Anspringen des Motors durch. Bei diesem neuen Easy-Start-System muss der Kupplungshebel nicht gezogen werden.

Dass der Motor zur aggressiven Optik passt, wird klar, sobald die ersten dumpfen Töne aus dem kurzen Auspufftopf röhren. Der Sound flößt Respekt ein. Das ist auch gut so, denn der Motor ist brachial stark. Er ist eine für die Straße optimierte Version des Motors der GSX-R1000, der in den Modelljahren 2005 bis 2008 verbaut wurde.