Was für ein Fortschritt!, denkt man, wenn man den Superb umrundet und sich dann in den Škoda setzt. Der bislang optisch stets allzu bieder daherkommende Tscheche hat sich komplett gewandelt. Die Karosserie glänzt mit scharfen Kanten, selbstbewusster Front und kleinsten Spaltmaßen. Innen ist es ähnlich: gute Materialien, sehr sauber verarbeitet. Man stelle sich den neuen Volkswagen Passat vor und ziehe von diesem Niveau nur einige wenige Prozentpunkte ab.

Die können allerdings sofort wieder addiert werden – denn der neue Superb wird zwar aus dem gleichen Baukasten zusammengesetzt wie der Passat, schafft aber auf 4,86 Metern Länge noch mehr Platz für Passagiere und Gepäck. Beim Raumangebot überzeugen Škoda-Modelle ohnehin: Der Octavia etwa gilt als Kompaktwagen, bietet aber Platz wie ein Mittelklasse-Fahrzeug.

So verfügt auch der Superb wieder über Platz im Überfluss. Das ist wörtlich gemeint: Man fragt sich unwillkürlich, was man mit all dem Raum anfangen soll. Selbst im Fond sitzt man großzügiger als in einem Oberklasse-Fahrzeug. Das Kofferraumvolumen von 625 Litern ist geradezu absurd groß. Wenn man die Rücksitzlehnen wegklappt, stehen gar 1.760 Liter zur Verfügung. Wer braucht da noch einen Van oder einen Kombi? Obwohl: Der kommende Superb Combi wird die Limousine bei diesen Werten und auch den Verkaufszahlen nochmals übertreffen.

Auch an anderer Stelle hat Škoda markentypische Pluspunkte nicht angerührt. Wer ein Modell der tschechischen VW-Tochter kauft, erwartet inzwischen natürlich den Eiskratzer im Tankdeckel und den Regenschirm im Wagen – jetzt sind es sogar zwei. Ansonsten ist der Superb ein typisches Flottenauto, erst recht mit der Motorisierung des Testwagens: Dieselmotor, 150 PS, Navigation. Dazu hat unser Fünftürer noch einige Extras von der Optionenliste, die wohl kein normaler Dienstwagenfahrer beim Flottenmanager je durchbekommt, aber den Wagen adeln und teuer machen.

Günstig nur noch im Vergleich zu einem VW

Bei Motoren, Getriebe und Assistenzsystemen greift Škoda natürlich auf die Konzern-Module zurück, alles andere wäre auch blödsinnig. Der zwei Liter große Dieselmotor liefert 110 kW (150 PS), genau die richtige Leistung, wie unser Testverbrauch von 6,2 Litern je 100 Kilometer zeigt. Ein angemessener Wert angesichts der Größe des Fahrzeugs und der zügigen Langstreckentouren, die wir absolvierten.

Es gibt auch noch einen 1,6-Liter-Selbstzünder mit 120 PS, was für das große, 1,5 Tonnen wiegende Auto vielleicht etwas wenig ist. Und man kann das 2,0-Liter-Aggregat auch mit 190 PS bestellen, was aber nicht unbedingt sein muss – der Superb ist von seinem Grundcharakter her kein Auto für Schnellstfahrer. Das wird auch bei der Fahrwerksabstimmung deutlich. Im Sport- und Normal-Modus reagiert der Wagen eher robust auf Bodenwellen und Stöße. Im Comfort-Modus bügelt er diese souverän weg, schaukelt auf langen Wellen aber unangenehm nach. Das kann ein Passat besser, was sich VW ausstattungsbereinigt aber auch mit weit über 5.000 Euro bezahlen lässt.

Das sechsgängige DSG-Getriebe arbeitet so routiniert, wie man es erwarten darf. Doch die bekannten Schwächen sind geblieben. Will man zum Beispiel rückwärts einparken, ist ein feinfühliger Gasfuß vonnöten, weil das Getriebe erst spät, dann aber zupackend reagiert. Daran gewöhnt man sich aber, wenn man es von Fahrzeugen des VW-Konzerns nicht sowieso schon gewohnt ist.

Anders als es das Škoda-Image suggeriert, ist der Superb nicht besonders günstig. Das ist er nur, wenn man ihn mit einem VW Passat vergleicht, der sich preislich zwischen den Volumen- und den Edelanbietern, also etwa zwischen Opel/Ford und Mercedes/BMW positioniert. Vergleicht man den Superb mit anderen Fahrzeugen von Importmarken, etwa Peugeot, Hyundai oder Toyota, sieht die Rechnung anders aus.

Ganz konkret: Mit dem 150-PS-Diesel steht die Škoda-Limousine ab 30.190 Euro in der Preisliste, man kann aber auch im höchsten der vier Ausstattungsniveaus 38.450 Euro ausgeben. Und hat dann immer noch jede Menge Möglichkeiten für Kreuzchen in der Optionsliste – auch in dieser Hinsicht ist Škoda unverkennbar eine VW-Marke.

Technische Daten

Motorbauart: 2,0-Liter-Dieselmotor, Frontantrieb, Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe
Leistung: 110 kW (150 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 8,9 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 218 km/h
Normverbrauch: 4,4 Liter je 100 Kilometer
CO2-Emission: 115 g/km
Abgasnorm: Euro 6
Testverbrauch: 6,2 Liter je 100 Kilometer
Preis: ab 30.190 Euro