Wer in den ID16 schaut, ist zunächst überrascht: So viel wird sich in Autoinnenräumen in den nächsten 10 bis 15 Jahren gar nicht ändern. Die Studie des Interieur-Spezialisten Yanfeng Automotive Interiors – ein seitlich offenes SUV – wirkt innen mit hellem Leder, Klavierlack und gemasertem Holz edel und modern, aber futuristisch ist der Viersitzer nicht.

Dabei haben Innovationschef Han Hendriks und sein Team mehr als 30 Neuerungen zwischen Armaturenbrett und Laderaumkante versteckt. Unauffällig, aber teils mit großer Wirkung. Die interessanteste Innovation zeigt sich, wenn man den Knopf Auto Drive auf dem Lenkrad drückt. Dann erklingt ein Warnton, bevor sich das Volant langsam vom Fahrer zurückzieht, während dieser gleichzeitig mit dem Sitz nach hinten fährt. Das Auto steuert sich daraufhin selbst, der Mensch hat Zeit für anderes.

Zeit zum Arbeiten beispielsweise. Zu diesem Zweck enthält die Mittelkonsole ein ausklappbares Tischchen, wie man es von den Chef-Sitzplätzen im Fond großer Limousinen kennt. Wer sich lieber mit seinen Mitfahrern unterhält, kann seine Sitzlehne auf Knopfdruck einige Grad nach innen schwenken. Folgt der Beifahrer diesem Beispiel, sitzt man leicht zugeneigt nebeneinander. Viel mehr Zuwendung ist zunächst nicht möglich, will man die Sicherheit bei einem Unfall nicht gefährden.

Der Grund dafür ist simpel: In in der Startphase des autonomen Fahrens, die Hendriks für 2025 erwartet, werden sich auch die selbstfahrenden Modelle weiterhin an die bekannten Sicherheitsstandards bei Sitzen, Airbags und Karosseriestruktur halten müssen, weil längst nicht alle Autos selbstständig unterwegs sein werden. Darum wird es in zehn Jahren noch keine luftigen Lounges mit filigranen Sitzen geben, wie sie Zukunftsstudien von Autoherstellern gelegentlich ankündigen.

Schlitz statt Düsen

Zudem wird in der ersten Phase nur zeitweise autonom gefahren, etwa auf der Autobahn. Wer auf die Landstraße zurückkehrt oder in eine Stadt einfährt, drückt nach der Vorstellung von Yanfeng erneut den Auto-Drive-Knopf, worauf sich Sitz und Lenkrad wieder in ihre gewohnten Positionen begeben.

Die Studie beschränkt sich aber nicht darauf, Ideen zum Autonomie-Trend zu liefern. Yanfeng hat noch andere wichtige Zukunftsströmungen ausgemacht, etwa den vor allem aus China getriebenen Trend zu mehr Luxus und Individualität. So zeigt der Zulieferer mit der Studie auch neue Produktionstechniken, die besonders kostengünstige Lederverkleidungen für den Innenraum ermöglichen. Oder Türverkleidungen aus einem Guss, die gegenüber den aktuellen, zusammenmontierten Modellen bis zu 40 Prozent Gewicht sparen. Das soll Autoherstellern helfen, die sinkenden Emissionsgrenzen einzuhalten.

Neben solchen Innovationen, die eher den Fachmann erfreuen, gibt es in der Studie ID16 aber auch eine Reihe cleverer Details, die möglicherweise bald in Serienautos einziehen werden. Dazu zählen eine beheizbare Armlehne, eine antibakterielle Beschichtung für das Lenkrad oder einen neuartigen Sonnenbrillenhalter im Dachhimmel. Dieser klappt nicht wie üblich an einem Scharnier auf, sondern fährt vertikal herunter, sodass die Brille nicht mehr versehentlich herausfallen kann.

Neue Gestaltungsmöglichkeiten für den Innenraum erlaubt außerdem eine neuartige Belüftung. Statt auf die bei vielen Designern verhassten Gebläsedüsen setzt Yanfeng auf einen schmalen Luftschlitz, der sich von den Fugen des Armaturenbretts durch das komplette Fahrzeug zieht. Das sieht nicht nur gut aus, sondern ergibt auch einen Luftstrom, der den leichten Böen eines Waldwindes nachempfunden sein soll.

Ob und welche Komponenten des ID16 in Serie gehen, hängt von den Automobilherstellern ab. Laut Hendriks haben diese bereits positiv auf das Innenraum-Konzept reagiert. Endkunden können sich ab Ende kommender Woche auf der IAA in Frankfurt ein eigenes Bild machen.