Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) lässt in Deutschland alle VW-Dieselfahrzeuge überprüfen. "Unabhängige Kontrollen finden immer wieder statt. Allerdings habe ich das Kraftfahrtbundesamt angewiesen, bei den VW-Dieselmodellen jetzt umgehend strenge spezifische Nachprüfungen durch unabhängige Gutachter zu veranlassen", sagte er der Bild-Zeitung.

Zuvor hatte die Bundesregierung "belastbare Informationen" gefordert, um mögliche Manipulationen bei Abgastests auch in Deutschland prüfen zu können. Diese Überprüfung muss laut dem Bundesumweltministerium durch das Kraftfahrtbundesamt vorgenommen werden.

Seit rund zwei Jahren berichten Prüforganisationen über Manipulationen der Autohersteller bei den offiziellen Abgasmessungen. Zuletzt hatte etwa das baden-württembergische Landesamt für Umwelt, Messungen und Naturschutz bei Testfahrten im normalen Straßenverkehr herausgefunden, dass der Ausstoß von Stickoxiden (NOx) verschiedener Dieselautos um das 8,5-Fache über den gesetzlichen Limits der Abgasnorm Euro 6 liegt.

Auch der ADAC hatte auf Abweichungen hingewiesen. Demnach sei nicht unwahrscheinlich, dass auch zahlreiche andere Hersteller tricksen: "Wir können nicht erkennen, dass bestimmte Hersteller besonders saubere oder besonders schmutzige Fahrzeuge haben."

Der Umweltexperten Axel Friedrich sagt im Interview mit ZEIT ONLINE, dass offenbar auch andere Herstellen betrügen: "Die vorliegenden Daten begründen einen Anfangsverdacht gegen alle Hersteller, sie alle manipulieren bei den Prüfstandstests – der eine mehr, der andere weniger." Dass VW nun ertappt wurde, habe ihn nicht überrascht: "Dass Vorschriften umgangen werden, indem Prüfstandsmessungen manipuliert werden, ist Fachleuten seit Langem bekannt." Früher habe man mit einfachen Schaltern dafür gesorgt, heute erledigten das komplexe elektronische Systeme. 

Für VW könnten die nun in den USA aufgedeckten Manipulationen der Abgas-Tests aber weitreichende Folgen haben: Inzwischen hat auch Südkorea Überprüfungen für Fahrzeuge von Volkswagen angeordnet. Die EU-Kommission steht nach den Angaben einer Sprecherin in Kontakt mit dem deutschen Konzern und den US-Behörden, um die Umstände der Manipulationen in den USA zu klären.   

Volkswagen-Chef Martin Winterkorn gerät in der Affäre immer mehr unter Druck. VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh warnte zwar vor Vorverurteilungen, sagte aber auch: "Wir gucken uns in den nächsten Tagen an, was passiert ist, wer die Verantwortung trägt."