BMW und Van, das war vor nicht allzu langer Zeit so unwahrscheinlich wie BMW und Frontantrieb oder Dreizylindermotoren. Aber die Zeiten ändern sich, und bei den Münchenern wird Fahrspaß nicht mehr ausschließlich über Leistung, Antriebsart oder Zylinderzahl definiert. Beim 2er Gran Tourer stehen jedenfalls andere Eigenschaften im Vordergrund. Ein BMW bleibt der Van trotzdem, wie sich in unserem Alltagstest des 218i zeigte.

Das Markentypische offenbart sich so richtig erst nach dem Einsteigen. Der Innenraum ist unschwer als BMW zu erkennen und durchaus sportiv ausgelegt. Letzteres merkt man zum Beispiel an den Sitzen mit den sehr ausgeprägten Wangen, die mehr Seitenhalt geben, als man in einem Fahrzeug dieser Machart benötigt. Die Gestaltung des Cockpits orientiert sich an den kleineren und größeren Geschwistern. Alles aufgeräumt und hochwertig, wenngleich nicht ganz so edel wie bei den meisten Mercedes- und größeren BMW-Modellen. Aber wir reden in diesem Fall von der Kompaktklasse, und da passt das so schon sehr gut.

Erstaunlich gut funktioniert das einfache Head-up-Display mit einer kleinen ausfahrbaren Scheibe statt der aufwendigen Spiegelung der Anzeige in die Windschutzscheibe. Ergonomisch gibt es weder für größere noch für kleinere Menschen hinter dem Lenkrad etwas zu meckern. Man findet in jedem Fall eine bequeme Sitzposition.

Nach dem Drücken des Startknopfes – ohne derlei geht es heute scheinbar nicht mehr – erwacht der Dreizylinder-Benziner erstaunlich leise und wohltönend zum Leben. Und auch in Bewegung ändert sich der dezente Grundcharakter des Motors nicht, selbst bei hohen Geschwindigkeiten bleibt er dezent. Offenkundig ist es den Konstrukteuren gelungen, einen Motor zu kreieren, der trotz der ungeraden Zylinderzahl komfortabel und weich läuft.

Es gibt schönere Vans

Mit einer Leistung von 100 kW (136 PS) und 1,5 Litern Hubraum ist das Triebwerk statistisch ein Durchschnittsmotor. Mit einem Normverbrauch von 5,5 Litern Benzin je 100 Kilometer nicht – da gehört er zu den besonders sparsamen Aggregaten. Naturgemäß konnten wir den Normwert im Alltag nicht erreichen, aber bei zurückhaltender, gleichmäßiger Fahrweise waren 6,2 Liter möglich. Im gemischten, zügigen Betrieb kamen wir auf einen ehrenwerten Testverbrauch von 7,2 Liter pro 100 Kilometer.

Positiv hervorzuheben ist außerdem das gleichermaßen leichtgängige wie exakte Sechsganggetriebe. Wobei die flinke Bedienung der Schaltung dem Van durchaus zuträglich ist. Bei der zügigen Fahrt durch weite oder enge Kurven und auch auf der linken Spur einer Autobahn scheint der 218i zu vergessen, dass er eigentlich ein Familienauto ist und gebärdet sich aktiver, als man es bei seiner Form annehmen könnte – ohne dass der Federungskomfort ernsthaft darunter leiden würde.

Ein Schwachpunkt des Gran Tourer ist allerdings sein Aussehen. Mein autoaffiner Sohn brachte es bei der ersten Begutachtung wie folgt auf den Punkt: "Warum geben die denn allen Designern Urlaub, wenn sie so ein Auto machen?" Über Geschmack lässt sich sicher nicht wirklich streiten, und die Form eines Vans folgt naturgegeben stark der Funktion. Aber es gibt schönere oder stimmiger gezeichnete Exemplare dieser Art.

Praktisch ist der 2er auf jeden Fall. Der Fünftürer bietet reichlich Platz. Angesichts eines Radstandes von 2,78 Metern findet sich bei nahezu jeder Position des Fahrersitzes dahinter noch genügend Beinraum. Zumindest auf kurzen Strecken halten es auch drei Erwachsene im Fond aus – der Gurt für den Mittelplatz ist aber im Dachhimmel gut versteckt. Er wird sicherlich auch nicht allzu oft gebraucht.

Der Kofferraum fasst zwischen 645 und 1.905 Liter Gepäckvolumen. Gut gefallen hat uns die einfache Bedienung der Sitzlehnen: Auf Knopfdruck fallen sie bündig nach vorne und hinterlassen nur eine kleine Kante. So ist der Laderaum auch für sperrige Hobbyutensilien gut und vor allem leicht nutzbar.

Insgesamt erweist sich der erste echte Van von BMW als gelungenes Exemplar. Allerdings als recht teures. Der 218i steht mit 28.650 Euro in der Preisliste, ohne Zubehör, versteht sich. Mit ein paar Extras wird die 30.000-Euro-Marke klar gerissen. Das könnte vor allem für junge Familien ein Kaufhemmnis sein. Aber vielleicht wird der Gran Tourer – wie sein Pendant von Mercedes – ohnehin eher von älteren und besser situierten Menschen erworben, auch wenn er dafür eigentlich zu sportlich ist.

Technische Daten

Motorbauart: 1,5-Liter-Benziner mit drei Zylindern, Frontantrieb
Leistung: 100 kW (136 PS)
Beschleunigung (0-100 km/h): 9,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 205 km/h
Normverbrauch: 5,5 Liter je 100 Kilometer
CO2-Emission: 122 g/km
Testverbrauch: 7,2 Liter je 100 Kilometer
Grundpreis: 28.650 Euro