Zwei Buchstaben reichen, um die Augen frankophiler Autofans zum Leuchten zu bringen: DS. So taufte Citroën 1955 eine stromlinienförmige Limousine, die wegen ihres Designs und ihrer Technik damals für gehöriges Aufsehen sorgte – und schnell wurde aus dem Kürzel DS la déesse, die Göttin; im Französischen sind Autos weiblich (la voiture). Heute zählen DS-Exemplare zu den begehrten Oldtimern.

Von dem Anspruch, andersartige Autos zu bauen, hat sich Citroën aber nach der Produktionseinstellung der Göttin und nach der Übernahme durch Peugeot im Jahre 1975 nach und nach verabschiedet. Nutzwert und Funktionalität standen fortan im Vordergrund. Der einst avantgardistische Autohersteller wandelte sich zur blassen Volumenmarke. Erst vor etwa zehn Jahren fing man mit dem Oberklassemodell C6 an, wieder auf Extravaganz zu setzen.

2010 reifte dann die Idee, das Kürzel DS zu reanimieren, zunächst in Form eines aufgepeppten Citroën C3 unter dem Namen DS 3. Der Erfolg war beachtlich. Der Kleinwagen, der in seiner Lifestyle-Aufmachung mit dem Mini und dem Alfa Romeo Mito konkurrierte, fand bis heute mehr als 400.000 Käufer. Nach vier Jahren wertete man die um die größeren Modelle DS 4 und DS 5 erweiterte Reihe schließlich zu einer eigenständigen Marke des PSA-Konzerns auf: Seit 1. Juni 2014 gibt es DS Automobiles offiziell, im März 2015 präsentierte sich die Marke erstmals eigenständig auf einer Messe.

Das Ziel der neuen Marke: die von der alten DS geerbten Werte Innovation und Individualität fortschreiben. Dafür hat DS sich vor drei Jahren sogar beim Design von Citroën abgespalten. Der Designdirektor der DS-Linie heißt Thierry Métroz; bei Citroën verantwortet Alexandre Malval das Design. Das vertraute Doppelwinkellogo der einstigen Muttermarke verschwindet an den neuen DS natürlich auch.

Derzeit besteht das DS-Programm aus DS 3, DS 3 Cabrio, DS 4 und dem Crossover-Modell DS 5. Letzterer gilt als Inbegriff der Marke. Auf der IAA in Frankfurt stellte DS kürzlich eine Überarbeitung des DS 4 und die Variante DS 4 Crossback vor. In China, dem wichtigsten Markt von DS, laufen DS 5, die Stufenhecklimousine DS 5LS sowie das 4,55 Meter lange SUV DS 6WR vom Band. Voriges Jahr verkaufte DS in China mehr als 50.000 Fahrzeuge, man unterhält dort mehr als 100 Händlervertretungen. Tendenz: steigend.

In drei Stufen zu mehr Kunden

So weit ist man in Europa längst nicht. In Deutschland zum Beispiel wurden in fünf Jahren nur rund 50.000 DS-Exemplare verkauft. Um den Absatz anzukurbeln, setzt DS auf ein dreistufiges Modell. An der Spitze stehen die sogenannten Flagship-Stores in besten Innenstadtlagen, wie sie bereits in Paris, Kopenhagen und Rom anzutreffen sind. "Der Auftritt ist edel, das Ambiente premium", sagt Holger Böhme, Geschäftsführer von Citroën Deutschland. 

Eine Stufe tiefer folgt der DS-Salon. Diese sind dem Citroën-Händler oder der Citroën-Niederlassung angedockt, haben aber einen eigenen Eingang zum edleren Showroom. Zehn Salons gibt es derzeit in Deutschland. Bei der Stufe drei, DS Corner, stehen zwei bis drei DS-Modelle auf einer separaten Fläche innerhalb des Citroën-Verkaufsraumes.

2017 will DS mit einer Limousine auf den Markt kommen. "Wir wollen wieder an die französische Oberklasse anknüpfen", sagt Yves Bonnefront, Generaldirektor der Marke DS. Dabei soll es sich aber nicht um eine Serienversion der 2012 in Peking gezeigten Studie Numéro 9 handeln. "Sie gibt lediglich die Designrichtung vor", sagt Chefdesigner Métroz.

Die DS-Studie Numéro 9 von 2012 © Hersteller

DS wird die Konzernplattform EMP2 nutzen, auf der auch das für 2018 geplante Mittelklasse-SUV (Länge um die 4,70 Meter) stehen wird. Denn dieses lukrative Lifestylesegment will DS auf keinen Fall auslassen. Man sieht sich hier auf Augenhöhe mit den deutschen Premiumanbietern sowie mit Alfa Romeo, Jaguar und Maserati, die ebenfalls erstmals mit dieser Autogattung debütieren.

Sechs Baureihen sind das vorläufige Ziel von DS: Etwa im Jahr 2019 dürfte ein Premium-Kompaktwagen die Familie komplettieren. Er wird dann auf der Plattform EMP1 stehen, die bei PSA momentan entwickelt wird. Positionieren will DS das Modell hauptsächlich gegen Mini Cooper und Audi A1. EMP1 erlaubt zudem einen elektrischen Antrieb, sowohl rein mit Batterie als auch als Plug-in-Hybrid. DS profitiert hier von der globalen Strategie des PSA-Konzerns, der ab 2018 eigenentwickelte Elektro- und Hybridfahrzeuge bauen will. Die Kooperation mit Mitsubishi läuft aus.