Trecker-Motor, Ölbrenner, Rußschleuder: Der Diesel hatte lange ein schlechtes Image – von dem er sich in den vergangenen Jahren mühsam lösen konnte. Nun hat der Skandal um Prüfmanipulationen den Ruf wieder beschädigt.

Trotzdem gibt es ein paar Gründe, die weiterhin für den nach Rudolf Diesel benannten Motor sprechen. Diesel erfand 1893 das Selbstzünder-Verfahren, nach dem das Triebwerk prinzipiell bis heute funktioniert. Welche Vorteile hat der Motor?

Geringere Kraftstoffkosten

Weil Dieselkraftstoff mehr Energie enthält als Benzin, braucht ein Dieselfahrzeug für vergleichbare Leistungen weniger Sprit als ein Wagen mit Ottomotor. Hinzu kommt, dass in Deutschland Diesel an der Zapfsäule staatlich subventioniert ist. Der Steuervorteil gegenüber Benzin liegt bei fast 30 Cent je Liter.

Dadurch ist der Diesel-Pkw ein Kostensparmodell – vor allem für Vielfahrer, bei denen sich der höhere Anschaffungspreis sowie die Mehrkosten bei Steuer und Versicherung schnell amortisieren. Ausspielen kann der Diesel seine Verbrauchsvorteile nicht nur bei Langstreckenfahrten auf der Autobahn, sondern – wie jeder Taxifahrer weiß – vor allem auch im Stadtverkehr.

Bessere CO2-Bilanz

Der im Vergleich zu Benzinern geringere Verbrauch führt dazu, dass auch weniger Kohlendioxid aus dem Auspuff kommt. Das erfreut nicht nur die Umwelt, sondern auch die deutsche Autoindustrie. Dieser hilft der Diesel nämlich beim Erreichen der künftigen CO2-Grenzwerte. So stößt beispielsweise ein Volkswagen Phaeton mit Ottomotor gemäß Normzyklus mindestens 265 Gramm CO2 pro Kilometer aus, der Diesel emittiert 41 Gramm weniger.

Der Unterschied macht für VW auch in der Bilanz viel aus, denn die EU plant für das Ende des Jahrzehnts Strafzahlungen, wenn verkaufte Neuwagen die Grenzwerte überschreiten: 95 Euro für jedes zusätzliche Gramm CO2. Das ergibt zwischen den beiden Motorversionen des Phaeton eine Differenz von mehreren Tausend Euro. Die deutschen Hersteller mit ihren großen und schweren Autos können es sich daher kaum leisten, den Diesel sterben zu lassen.

Kaum Kohlenmonoxid

In fast jeder Hinsicht ist ein Dieselmotor dreckiger als ein Benziner. Bei der Verbrennung entstehen mehr Partikel, mehr Stickoxide und auch mehr Aldehyde. Sofern die Systeme zur Abgasreinigung funktionieren, ist der moderne Diesel aber keine schmutzige Technik. Und immerhin bei der Kohlenmonoxid-Emission schneidet er besser ab: Mit zehn Gramm CO pro verbranntem Liter Kraftstoff ist der Selbstzünder zehnmal sauberer als ein Benziner. Allerdings: Im Vergleich mit Ruß und Stickoxiden gilt CO als aktuell wenig kritisch. Die Grenzwerte in der Atemluft werden in der Regel deutlich unterschritten.

Mächtiges Drehmoment

Bei vergleichbarer Leistung wirken Dieselmotoren oft kräftiger als Ottomotoren. Das liegt in der Regel an ihrem früh einsetzenden maximalen Drehmoment, was vor allem dem mittlerweile obligatorischen Turbolader geschuldet ist. Ein hohes Drehmoment bei vergleichsweise geringen Umdrehungszahlen führt dazu, dass ein Fahrer den Wagen kraftvoll beschleunigen kann, ohne die Gangschaltung betätigen zu müssen. Zugleich hilft dies, Sprit zu sparen, da bei relativ niedriger Drehzahl der Motor mehr Kraft bietet.

Gegenüber einem ähnlich starken Ottomotor ohne Turbo bietet der Dieselmotor in der Regel mehr Fahrspaß. Doch der Trend zu Aufladung und Downsizing beim Benziner hat den Vorteil für den Diesel verringert: Auch die Turbo-Ottos sind mittlerweile bei niedrigen Drehzahlen durchzugsstark. Allerdings büßen sie durch die Zusatztechnik auch einen Teil ihres traditionellen Kostenvorteils gegenüber dem Diesel ein.

Geringere Gefährlichkeit

Doofe Unfälle passieren. Kürzlich ging der Fall eines Autofahrers durch die Boulevardmedien, der nach einer Spinne im Tank seines Wagens suchte und für bessere Sicht ein Feuerzeug zückte – die Sache ging übel aus, weil der Mann offenbar einen Benziner fuhr. Denn Ottokraftstoff verdampft schon bei Temperaturen weit unter null Grad, die gasförmigen Schwaden sind dann hochentzündlich. Schon ein kleiner Funke kann ausreichen.

Beim Diesel dagegen liegt der sogenannte Flammpunkt bei frühestens 55 Grad. Erst bei dieser Temperatur verdampft er, und nur dann lässt er sich ohne Weiteres mit einem Streichholz oder Feuerzeug entzünden. Bei Raumtemperatur ist das versehentliche Anzünden von Diesel daher kaum möglich.

Der Siegeszug des Dieselmotors, erzählt in 14 Karten:

Der Siegeszug des Diesels

Der Dieselmotor galt jahrzehntelang als lahm und dreckig. Doch seit einigen Jahren sind die Verkaufszahlen rasant gestiegen. Wie bloß wurde die Dreckschleuder salonfähig?

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Diesel

Der Selbstzünder gilt als robust – und sparsam, weil der Wirkungsgrad höher ist als beim Benziner.

Wo sind die Stärken?

Benziner

Der Otto-Motor ist in der Regel leistungsstärker und fährt geschmeidiger.

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Und wo hapert´s?

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Diesel

In der Anschaffung sind Dieselfahrzeuge in der Regel teurer. Die aufwendige Abgasbehandlung reduziert heute den Verbrauchsvorteil. Alte Modelle gelten als laut und lahm.

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© Carsten Koall/Getty Images
Verschmähtes Modell

Verschmähtes Modell

In den 1970er Jahren waren es vor allem Taxifahrer, die Diesel fuhren. Die Modelle waren schwerfällig, nerviges Vorglühen nahm den Fahrspaß.

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„Der Diesel ist unverzichtbar für die deutsche und internationale Automobilindustrie."

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