Kritik bekommen reine Elektroautos meist wegen zwei Dingen: der aktuell hohen Anschaffungskosten und der als gering betrachteten Reichweite. Der Nissan Leaf zum Beispiel, das meistverkaufte E-Auto der Welt, verspricht bei vollgeladenen Batterien 199 Kilometer. Jetzt bringt der japanische Hersteller eine weitere Version, die dank größerer Batterien im Normzyklus auf 250 Kilometer kommen soll.

Die um 26 Prozent gesteigerte Reichweite wird erreicht durch eine Erhöhung der Speicherkapazität von 24 auf 30 Kilowattstunden. Dafür wurden der innere Aufbau und die chemischen Eigenschaften des Stromspeichers verändert. Am Bauprinzip des Batterie-Pakets und seiner Position unter den Sitzen hat sich nichts geändert, sowie an den Abmessungen des 4,44 Meter langen Kompaktwagens insgesamt. Nur ist der Leaf im Vergleich zur 24-kWh-Version rund 23 Kilogramm schwerer.

Eine Testfahrt mit dem Elektro-Nissan bestätigt zunächst Bekanntes: Mit dem 80 kW (109 PS) starken E-Motor kann man im Eco-Modus sparsam fahren, allerdings bei eingeschränkter Leistung. Wählt man den Sparmodus nicht, macht der Leaf richtig Spaß. Schließlich muss ein Elektromotor, anders als ein Verbrenner, kein Drehmoment aufbauen, sondern stellt das Maximum von der ersten Umdrehung an zur Verfügung.

Bekannt ist allerdings, dass die Reichweite bei einem E-Auto durch den persönlichen Fahrstil, das Streckenprofil, die Außentemperatur sowie die Einstellungen der Klimaanlage stärker beeinflusst wird als bei einem Benzin- oder Dieselauto. Ist es draußen kalt und man möchte es im Auto warm haben, bleiben von der ursprünglichen Maximalreichweite häufig nur zwei Drittel übrig.

Da sind die zusätzlichen 51 Kilometer ein willkommenes Plus – wenn auch kein riesiger Fortschritt. In der Praxis rechnet sich der Leaf zudem häufig eine Restreichweite aus, die mehr verwirrt als beruhigt. So zeigte unser komplett geladener Leaf vor Antritt eine Restweite von 205 Kilometern an, wahrscheinlich basierend auf den Einstellungen und dem Fahrstil des letzten Fahrers.

Der Leaf mit der 30-kWh-Batterie wird von Januar 2016 an erhältlich sein. Die Version mit dem kleineren Akku verschwindet dann aber nicht vom Markt. Sie bleibt in drei verschiedenen Ausstattungsstufen erhältlich, wird aber günstiger. Der 24-kWh-Leaf steht aktuell ab 23.790 Euro in der Preisliste, zuzüglich der monatlichen Batteriemiete von 80 Euro; ab kommendem Jahr kostet er 23.000 Euro. Die Variante mit der größeren Batterie wird es nur in den höheren Ausstattungslinien Acenta und Tekna geben, zu Preisen ab 28.060 Euro plus Batteriemiete. Mit Batterie kostet dieser Leaf ab 33.960 Euro. Wer bereits einen Nissan Leaf besitzt und den Stromspeicher gemietet hat, kann ab Januar theoretisch den 30-kWh-Akku leasen.

In den Genuss des in die neue Version eingebauten Connect-EV-Systems kommt er dann allerdings nicht. Hier kann man jetzt wie bei einem Smartphone durch die einzelnen Funktionen wischen. Zudem führt das Navigationssystem nicht nur zu den naheliegenden Ladepunkten, sondern informiert auch darüber, ob diese frei sind. Ob das in der Praxis funktioniert, konnten wir noch nicht testen.

Technische Daten

Motorbauart: Elektromotor
Leistung: 80 kW (109 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 11,5 Sekunden
Höchstgeschwindigkeit: 144 km/h
Stromspeicher: Lithium-Ionen-Batterie, 30 kWh
Normverbrauch: 15,0 kWh je 100 Kilometer
CO2-Emission: 0 g/km (bei Strom aus regenerativen Quellen)
Grundpreis: 28.060 Euro (ohne Batterie, Batterieleasing ab 79 Euro pro Monat); inklusive Batterie ab 33.960 Euro